Willkommen, Besucher
Bitte anmelden oder registrieren.    Passwort vergessen?

Wissenschaftsfälschungen leicht gemacht...
(1 Leser) (1) Besucher
Zum Ende gehenSeite: 12
THEMA: Wissenschaftsfälschungen leicht gemacht...
#1115
Wissenschaftsfälschungen leicht gemacht... vor 4 Jahren, 9 Monaten  
Missbrauch der Wissenschaft

Die Wissenschaft ist der wohl wichtigste Faktor unserer heutigen Zivilisation im Denken der politisch informierten Gesellschaft. Alles was wir tun, ist von den Ergebnissen wissenschaftlicher Einzelergebnisse legitimiert.

Wir müssen aber Abschied nehmen von dem Mythos, dass die bisherige Wissenschaft eine Ansammlung unerschütterlicher Fakten ist.

Die Aussage des englischen Philosophen Francis Bacon von 1597: "Wissen bedeutet Macht" hat sich verselbständigt und diese Macht kauft man sich ein. Das gilt in jedem Bereich der Wirtschaft und der Politik. Der Informationsfluss in die Öffentlichkeit hinein wird dabei genau kontrolliert und dosiert. Nur die Information, die der ureigensten Interessenlage nutzt, wird freigegeben.

Um die Wahrheit geht es dabei nicht mehr.

Untersuchungen zeigen, "Wissenschaftsfälschungen sind an der Tagesordnung." Wer es schlau anstellt, verwischt als Forscher die Grenzlinie zwischen Irrtum und bewusstem Betrug. Gerichtlich kann er nicht belangt werden, denn es gibt ein Grundrecht auf Forschungsfreiheit.

Vor wenigen Jahren wurde das Problem noch unter dem Begriff der ä�uflichen Wissenschaft gehandelt. Mittlerweile ist man deutlicher geworden und spricht von Wissenschaftskriminalität.

Was einige Wissenschaftler tun, ist Teil eines Geschäfts: Viele forschende Universitätsinstitute können ohne den ständigen Geldstrom (Drittmittel) aus Industrie und Wirtschaft nicht mehr existieren. Mehr denn je nutzen Firmen Studien als Marketinginstrumente.

Es gibt Beispiele dafür, dass die mit Millionen finanzierte Forschung unserer Tage zur Beute mittelmäßiger und betrügerischer Wissenschaftler wurde und wird.

Manche Unternehmen suchen sich gezielt Wissenschaftler, die bereits entsprechend ihrer Interessenlage brauchbare Studien veröffentlicht haben.

Es hat sich deshalb bewährt, kritisch zu hinterfragen: "Wer ist Auftraggeber und wer hat diese Studie bezahlt?"

Auf diesen Seiten stellen wir alle uns zugänglichen Informationen zu diesem Thema ein. Falls Sie Informationen, Anregungen, Fragen oder Kritik haben,wenden Sie sich bitte per email Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. an uns. Wir sind für jegliche Mitarbeit dankbar.


QUELLE:www.hese-project.org/de/


Ich habe schon einmal die These aufgestellt, das es sicherlich Wissenschaftler gibt, die ihre Ergebnisse möglicherweise so interpretieren wie es der Auftraggeber gerne hätte -was sich ja wohl durch den Text oben belegen läßt.
Das an sich ist ein harter Vorwurf, kann allerdings durch entsprechende Literatur belegt werden.
Nun allerdings habe ich einen Bericht gefunden der belegt, das man es in der Wissenschaft nicht allzu genau nimmt und gefälscht wird was das Zeug hält.
Und nicht nur das ist ziemlich hart, sondern das es gelingt ist der Hammer, denn daraus resultiert nun mal, das die Überprüfenden sich nicht die Mühe gemacht haben vor Veröffentlichung tatsächlich alles zu überprüfen.


Wie frei ist die Wissenschaft?

Aus sicherer Distanz das Freiheitssymbol schlechthin im Blick – Wenn es um die Wissenschaft geht, wird der Blick auf die Freiheit gerne ideologisch getrübt. Foto: Willy Puchner

Der Philosoph Ernst Bloch hielt jedes Denken für parteilich und kritisierte die „sogenannte Unparteilichkeit“ des „Objektivismus“.

Aufzählung Vom Ideal zur Ideologie: Viel zu oft werden wissenschaftliche Tatsachen auch heute noch weltanschaulich und juristisch abgesichert.

Der Begriff Freiheit ( griech.: eleuthería, lat.: libertas ) ist uns aus dem Bereich des politischen Lebens vertraut. Freiheit von Unterdrückung, von politischen Zwangsverhältnissen ist ein zentrales Thema der Menschheitsgeschichte. Es gibt gar vieles, wovon man frei sein möchte, doch nicht immer weiß man auch, zu welchem Zwecke man es sein will. Was die angemessene Verteilung von Freiheiten betrifft, so war insbesondere den großen Staatstheoretikern des 17. und 18. Jahrhunderts klar, dass Freiheit nicht in einem völlig ungeregelten Zustand sozialen Zusammenlebens bestehen könne, in dem es jeder Person freisteht, zu tun und zu lassen, was sie will.

Das Recht als die, wie Kant sagte, "Einschränkung der Freiheit eines jeden auf die Bedingung ihrer Zusammenstimmung mit der Freiheit von jedermann, insofern diese nach einem allgemeinen Gesetze möglich ist" , sollte der Sicherung jener Grundfreiheiten dienen, von denen wir auch heute noch glauben, dass sie jedem Menschen zukommen und die notwendige Bedingung einer freien Gesellschaft bilden: der Freiheit der Person (Bewegungsfreiheit, Schutz vor willkürlicher Festnahme), der Glaubens-, Religions- und Gewissensfreiheit, der Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit, der Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit, der Freiheit der politischen Betätigung und, mit gewissen Einschränkungen, der wirtschaftlichen Freiheit als Eigentums- und Vertragsfreiheit.

Die Freiheit der Wissenschaft, die aus den Auseinandersetzungen mit politischen und religiösen Kräften der Vergangenheit hervorgegangen ist, bedarf im Hinblick auf diese Grundfreiheiten der besonderen Berücksichtigung. Denn nicht alle gesellschaftlich-politischen Verhältnisse sind der Wissenschaft und ihrem auf die Kriterien der logischen und empirischen Überprüfung gegründeten, innovatorischen wie kritischen Potential förderlich.

Auch einzelne Wissenschafter sind dies in der Vergangenheit nicht gewesen, insofern sie sich als Agenten von Herrschaftsordnungen betätigten, die nicht nur moralisch verwerflich, sondern häufig auch wissenschaftsfeindlich waren: Philipp Lenard hat als deutscher Nobelpreisträger gegen die "jüdische Physik" angekämpft wie Trofim Lysenko in der Sowjetunion gegen die als "bürgerlich" apostrophierte darwinistische Biologie; Carl Schmitt hat die Röhm-Morde auf ähnliche Weise gerechtfertigt wie Ernst Bloch die stalinistischen Massaker in den 1930er Jahren, und noch Jean Paul Sartre ließ den Zeugnissen von Gulag-Opfern Verachtung angedeihen; für Noam Chomsky, den US-amerikanischen Linguisten, handelte es sich bei den Berichten von den Massakern Pol Pots nur um "Gräuelmärchen" der kapitalistischen Mächte.

Derartiges ist charakteristisch für Ideologien in ihrer negativen Bedeutung: nämlich der Umstand, dass ideologisches Denken hinter der bereits möglich gewordenen Einsicht zurückbleibt, also einen denkgeschichtlichen Regress darstellt. Ideologien sind unzutreffende Meinungen und Aussagen, an deren Entstehung, Verbreitung und Aufrechterhaltung sich gesellschaftliche Interessen knüpfen. Wesentlich bei solchen Aussagen ist nicht zuletzt das Ungesagte, Verschwiegene; daher ist es in der Praxis der Ideologiekritik oft wichtiger, darauf zu achten, was jemand angesichts einer bestimmten Fragestellung nicht sagt, als darauf, was er sagt.

Die Fehlerhaftigkeit ideologischen Denkens wird zumeist von der Verschiebung der Diskursebene bestimmt – von der Wissenschaft hin zu Politik, Religion oder Moral. Dieser Verschiebung entspricht es, zunächst einmal die Trennung von "Theorie" und "Praxis", "Wissenschaft" und "Leben" für obsolet zu halten, dann aber die wissenschaftsrelevante Kategorisierung "wahr – falsch" etwa mit der andersartigen "politisch korrekt – politisch inkorrekt" zu konfundieren. Das Prinzip des Theorienpluralismus, wie es bei der Deutung und Interpretation sowie bei der Erklärung und Vorhersage in den Wissenschaften zur Anwendung kommt, wird dabei häufig dem monistischen Prinzip der einen Wahrheit und der politischen Rechtgläubigkeit untergeordnet. Lenin nannte es das Prinzip der "Parteilichkeit".

Anwälte einer solchen Rechtgläubigkeit finden sich in ganz verschiedenen Lagern. So verkündete etwa Ernst Bloch, der später einer der idolisierten Mentoren der deutschen Studentenbewegung werden sollte, 1951 in einem in der Ostberliner Zeitschrift "Aufbau" erschienenen Aufsatz, dass jegliches Denken immer parteilich gewesen sei und auch sein müsse; es komme nur darauf an zu wissen, welche Parteilichkeit die richtige sei. Von solchen Voraussetzungen aus kritisierte er die "sogenannte Unparteilichkeit" des "Objektivismus" . Dieser, so stellte er fest, "ist mit der sogenannten Wahrheit um ihrer selbst willen, wie sie im Westen strapaziert wird, nicht ohne ideologischen Zusammenhang. Ausgehend von einer Schein-Objektivität, die als Schein schon lange durchschaubar geworden ist, macht sich der Objektivismus lau, abwägend, penetrant neutral" .
Denunziation des Objektivitätsstrebens

Objektive Wissenschaft erschien andererseits auch Carl Schmitt, dem später von den NS-Organen politisch kaltgestellten Oberhaupt der deutschen Staatsrechtstheoretiker in der ersten Hälfte der 1930er Jahre, als der illusorische Standpunkt zwischen den Positionen des "Arteigenen" und des "Artfremden". So behauptet er in der 1933 erschienenen Schrift "Staat, Bewegung, Volk", es sei "eine erkenntnistheoretische Wahrheit, dass nur derjenige imstande ist, Tatsachen richtig zu sehen, Aussagen richtig zu hören, Worte richtig zu verstehen und Eindrücke von Menschen richtig zu bewerten, der in einer seinsmäßigen, artbestimmten Weise an der rechtschöpfenden Gemeinschaft teil hat und existentiell ihr zugehört" .

Und dann folgt – in ähnlicher Weise, wie man dies von Lenins Invektiven gegen die "schmähliche Partei der Mitte" sowie gegen die Vertreter eines "dritten Weges" jenseits von bürgerlicher und proletarischer Weltanschauung kennt – eine Denunziation des Objektivitätsstrebens als einer sich selbst missverstehenden Denkweise: "Ein Artfremder mag sich noch so kritisch gebärden und noch so scharfsinnig bemühen, mag Bücher lesen und Bücher schreiben, er denkt und versteht anders, weil er anders geartet ist, und bleibt bei jedem entscheidenden Gedankengang in den existentiellen Bedingungen seiner eigenen Art. Das ist die objektive Wirklichkeit der ‚Objektivität‘."

Derartige Äußerungen aus dem Geist politisierter Klassen- und Rassenlehren bewegten sich zum Zeitpunkt ihrer Formulierung keineswegs im politisch folgenlosen Raum, vielmehr hatten sie eine ganz konkrete, nämlich inquisitorische Funktion gegenüber den Anwälten einer ideologiefreien und um Objektivität bemühten Wissenschaft; diese waren, sofern ihre Ansichten und Lehrmeinungen nicht dazu geeignet waren, das an der Macht befindliche System zu rechtfertigen, notfalls ohne jede Hemmung aus dem akademischen Leben zu eliminieren.

Und heute? Die Intellektuellen sind keineswegs immer Anwälte der Freiheit der Wissenschaft. Sie stellen sich etwa als "Experten" oder Anwälte in eigener Sache im "Krieg gegen den Terror" oder gegen die "Kreuzritter" auf die Seite der true believers , wobei sie dann – je nach Zugehörigkeit zum politisch-weltanschaulichen Lager – beispielsweise die vorgeschützten Kriegsgründe für die Invasion im Irak 2003 oder die islamischen Selbstmordattentate oder die übersteigerte Reaktion Israels auf palästinensische Aktionen rechtstheoretisch, politologisch, geostrategisch, religionssoziologisch oder sonstwie nicht nur zu verstehen, sondern auch zu rechtfertigen bemüht sind. Nicht selten ist auch das Bestreben am Werk, wissenschaftliche Diskussionen durch einen ihnen übergeordneten Moralismus, durch den Diskurs über "gut" und "böse" zu beschränken oder zu kanalisieren. Diese Prioritätensetzung selbst ist oft mehr eine Sache der Macht als eine solche der moralischen Stärke.

Im Sinne ebendieser Prioritätenfestlegung gelingt es heute einigen, wie seinerzeit den Achtundsechzigern, sich in bestimmten wissenschaftlichen Institutionen weniger durch originäre Leistungen zu behaupten, als vielmehr dadurch, dass sie sich der "moralischen Elite" zuzählen. Ihre moralische Überlegenheit leiten sie als Vertreter einer "wertenden Wissenschaft" aus der Identifizierung ihrer selbst mit den Opfern der "Geschichte" oder der "Gesellschaft" ab: mit den Opfern der Kolonisation, des Imperialismus, der nationalsozialistischen Verbrechen, der multinationalen Konzerne, der Globalisierung – aus einer Identifizierung also, die ihnen die Doppelrolle des Wächters und des Anklägers sichert. Allenthalben ist bei den Proponenten solcher demonstrativ gelebten und streng ritualisierten Identifikationsbestrebungen von "Unvergleichbarkeit" die Rede, ob es sich nun um schwarzafrikanische Sklaven, geschundene Indios oder ermordete Juden handelt. Verdächtig erscheint in diesem Zusammenhang der Umstand, dass weder an der Ambivalenz einer solchen Identifikation noch an der behaupteten "Singularität" derartiger Ereignisse aus moralischen Gründen zu zweifeln sei. Solche Ereignisse gewinnen daher, wie das Beispiel "Auschwitz" belegt, den Status einer moralisch-politischen Unbezweifelbarkeit, eines fundamentum inconcussum .
Kampf gegen Moralisten und Fundamentalisten

Die Folgen dieses Denkens bleiben nicht bloß auf Gelehrtenstuben beschränkt, obwohl sie natürlich gerade für sie von größter Bedeutung sind. Wenn bestimmte historische Tatsachenfeststellungen nicht mehr, wie es ihrer Natur entspräche, dem Urteil von Historikern und Sozialwissenschaftern, sondern dem von Gerichten vorbehalten sind, nähern wir uns einer neuen Mythologie. Was mit der 1992 in Österreich, 1994 in Deutschland erfolgten Verschärfung des Straftatbestandes der Volksverhetzung ("Auschwitz-Lüge") begonnen hat, könnte – entsprechend ausgeweitet und unter veränderten politischen Vorzeichen – Schule machen: Auf dem Weg der Gesetzgebung werden historische Tatsachen unter Schutz gestellt.

Vor kurzem kündigte der türkische Ministerpräsident Erdogan an, dahingehend initiativ werden zu wollen, dass die Anstiftung zur Islamfeindlichkeit als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft werde. "So wie Antisemitismus ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, sollte auch Islamophobie betrachtet werden" , sagte er am 28. Juni 2006 in Straßburg vor der parlamentarischen Versammlung des Europarats.

Angesichts verschiedenartiger Moralisten und Fundamentalisten im In- wie im Ausland hat es die freie Wissenschaft nicht immer leicht – weder in den Geistes- und Sozialwissenschaften noch in der Molekularbiologie oder Nuklearphysik. Überall, wo das Schwert der Politik dem lesenden Gelehrten und dem experimentierenden Forscher unter die Nase gehalten wird, so dass dadurch "wissenschaftliche Tatsachen" weltanschaulich abgesichert und weiteren Erörterungen entzogen werden, ist Gefahr in Verzug. Denn Wissenschaft lebt von Konstruktion und Kritik, nicht von Meditation und Händefalten.

Völlig vergessen wird gern die Tatsache, dass die Auflehnung gegen die Dogmatisierung von Tatsachenbehauptungen einst eines der zentralen Motive der Aufklärung gewesen ist. Sowohl bezüglich der Faktizität vergangener Tatbestände als auch der Invarianz ihrer Deutung können einem bekanntlich im Lichte neuen Quellenmaterials und neuer Interpretationen Zweifel kommen. Und gerade im methodischen Zweifel liegen die Wurzeln jeglicher Erkenntniserweiterung. Hume, Voltaire, d?Alembert oder Kant wäre es gewiss nie in den Sinn gekommen, von ihrem Publikum zu verlangen, historische Fakten zu glauben. Noch Ludwig Feuerbach bemerkte in seinem 1838 verfassten Buch über den französischen Frühaufklärer Pierre Bayle: ". . . ein vergangenes Faktum [. . .] ist seiner Natur nach unzuverlässig, notwendig ein Objekt des Zweifels, kurz es verliert seinen faktischen Charakter. [. . .] Der Glaube aber an Fakta als Wahrheiten, an sogenannte dogmatische Fakta, ist purer, blanker Aberglaube."

Man sollte sich hüten, durch moralisch verstandene Akte der Gesetzgebung und Judikatur ein zentrales Merkmal der säkularen Moderne mehr und mehr zu desavouieren und dadurch eine politische Ziviltheologie zu fördern, die Tatsachenfeststellungen durch Frageverbote und den offenen wissenschaftlichen Diskurs durch staatlich approbierte Interpretationsmonopole ersetzt.


Aber lest doch bitte selbst:

Deutscher Forscher fliegt nach 14 Jahren mit Plagiat auf

Von Stefan Schmitt

Ein Fachaufsatz mit geklauten Passagen wurde ihm zum Verhängnis: Nach 14 Jahren ist der Ökonom Hans-Werner Gottinger öffentlich als Plagiator enttarnt. Ermittler werfen ihm Unglaubliches vor: Er soll jahrelang kopiert, sogar Institute erfunden haben - und machte trotzdem Karriere.


Plagiate, Fälschungs- und Abschreibevorwürfe: Für den Ruf eines Wissenschaftlers sind solche Vergehen desaströs - wenn sie entdeckt werden. Jetzt geschah das einem deutschen Forscher. Der soll sich nicht nur mit fremden Federn geschmückt haben, sondern auch bei Angaben zu Positionen und Instituten gemogelt haben.
Im Zentrum steht Hans-Werner Gottinger, ein 63-jähriger Ökonom aus Ingolstadt. Am morgigen Donnerstag wird die Fachzeitschrift "Research Policy" einen Fachbeitrag von Gottinger zurückziehen, den dieser vor 14 Jahren veröffentlicht hatte. Jetzt habe sich herausgestellt, "dass der Artikel von 1993 einen klaren und ernsten Fall von Plagiat darstellt", werden die Herausgeber der Zeitschrift in einem Editorial erklären, das SPIEGEL ONLINE vorab vorliegt.
"Es mag da einen Mangel an ausreichender Sorgfalt bei der Überprüfung der Vollständigkeit von Quellen und Referenzen gegeben haben", sagte der Beschuldigte zu SPIEGEL ONLINE. Gottinger spricht aber von Reviews (Besprechungen oder Überblicksarbeiten), die keinen Anspruch darauf erhoben hätten, "neue Ergebnisse über die bereits bekannten hinaus zu präsentieren".

Text und Formeln identisch

Ben Martin von der britischen University of Sussex widerspricht dem vehement. "Ich bin der Herausgeber einer Fachzeitschrift, ich kenne den Unterschied zwischen einem Überblicksartikel und einem Beitrag, der versucht, eigenen Erkenntnisfortschritt beizutragen", sagte er zu SPIEGEL ONLINE.

Martin hat für "Research Policy" die Plagiatsvorwürfe gegen Gottinger untersucht. Und tatsächlich heißt es in der Einleitung des strittigen Artikels des Ingolstädters: "Ein konzeptioneller Rahmen soll entwickelt werden, um die Beziehung zwischen Verbreitungsraten, Lernkurven und Nachfrage in Hinsicht auf SDI-bezogene Spin-Off-Technologien zu untersuchen." Das mag für Laien verwirrend klingen, erscheint aber doch klar wie ein Forschungsaufsatz. Nur dass Textteile darin absatzweise "und fast Wort für Wort" aus einem Beitrag des Forschers Frank Bass aus dem Jahr 1980 stammen - so hat es die Untersuchung von "Research Policy" ergeben. Auch Formeln seien fast identisch gewesen, und mehr noch: "Daten scheinen gefälscht worden zu sein."
Schon einmal war Gottinger mit einem Plagiatsvergehen aufgefallen: 1999 bemerkten die Herausgeber der wirtschaftswissenschaftlichen Fachzeitschrift "Kyklos", dass der Ingolstädter in einer drei Jahre alten Arbeit einen anderen Fachbeitrag von 1992 abgekupfert hatte. Er habe ausführlich erklären können, was da passiert sei, sagte Gottinger, doch die Herausgeber hätten seine Erklärung unterdrückt. "Kyklos" zog den Beitrag deshalb zurück.
Plagiate viel weiter verbreitet, als gedacht?

Ben Martin fand weitere Ungereimtheiten. "Gottinger scheint ein Serien-Plagiator zu sein", sagt er. Nur einmal, so scheint es, ist Gottinger selbst zum Opfer geworden: Einer seiner Aufsätze aus dem Jahr 1992 sei 2005 von einem Kollegen aus Zimbabwe abgekupfert worden zu sein. Ironie der Forschungsgeschichte - oder ein düsteres Zeichen?

"Eine Schockwelle könnte durch die üblicherweise ruhigen Wasser der Sozialwissenschaften rollen", prophezeit die Wissenschaftszeitschrift "Nature". Denn eine Regel ist im wissenschaftlichen Publizieren ehern: Wer Texte und Angaben anderer Forscher übernimmt, muss dies entsprechend kennzeichnen.

"Es erscheint ziemlich unwahrscheinlich, dass ein Plagiator unwissentlich eine Veröffentlichung eines anderen Plagiators aufgreift, um daraus abzuschreiben", betonen die Herausgeber von "Research Policy" - und fragen, ob betrügerisches Abschreiben nicht viel weiter verbreitet ist als bisher angenommen. Martins Ermittlungen lassen diesen Verdacht plausibel erscheinen - und wirken wie ein Krimi.

2. Teil: Ermittlungen nach 14 Jahren

Ein aufmerksamer Leser war es, der im Juni 2007 den Stein ins Rollen brachte: Gottingers Fachbeitrag "Estimating demand for SDI-related spin-off technologies" über die wirtschaftlichen Aspekte von Ronald Reagans Star-Wars-Programm kam ihm komisch vor. Schon 1980 hatte Frank Bass im "Journal of Business" anscheinend ganz ähnliches geschrieben. Der Forscher alarmierte den Verlag Elsevier, zu dem die Fachzeitschrift "Research Policy" gehört.

Zwei Gutachter sahen sich die Aufsätze an. Herausgeber Ben Martin begann, sich Veröffentlichungen und Vita des Beschuldigten genauer anzusehen. Das Team stieß auf einen dritten Beitrag ("Paper"), in dem Gottinger offenbar aus einer anderen Arbeit abgeschrieben hatte, ohne dies anzugeben. Auch hier beruft sich der Ingolstädter darauf, dass es sich um eine Review-Arbeit handele.

"Normalerweise übergibt man in so einem Fall die Resultate der Nachforschungen der Institution, bei welcher der Autor beschäftigt ist, so dass diese weitere Nachforschungen anstellen kann", erläutert das Team von "Research Policy". Doch das, so stellte sich heraus, war im Fall Gottinger gar nicht so einfach.

3. Teil: Fiktives Institut

Das Institute of Management Science (IMS) an der niederländischen Universität Maastricht - diese Adresse fand Ben Martin in vielen Aufsätzen und Büchern Gottingers vor. Darum versuchte der Schotte, den gegenwärtigen Leiter des Instituts zu kontaktieren. Wie sich bald herausstellte, existierte es jedoch gar nicht. Kein IMS, kein Vorgesetzter - was hatte der Ingolstädter überhaupt mit der Hochschule zu tun? "Aufgrund unserer Nachforschungen hat die Universität Maastricht den Autor nun aufgefordert, nicht weiter zu behaupten, dass er in irgendeiner Weise der Universität angehört", heißt es im Editorial von "Research Policy". Eine Sprecherin der Hochschule bestätigte gegenüber "Nature": Gottinger war nie dort angestellt.

Er sei in den späten neunziger Jahren an einem Projekt des European Institute of Public Administration in Maastricht beteiligt gewesen, teilte Gottinger SPIEGEL ONLINE mit. "Das ist irreführenderweise, aber unbeabsichtigt in einigen Papers mit der Universität Maastricht in Verbindung gebracht worden, was falsch ist". Er habe sich dafür aufrichtig entschuldigt, erklärte der Forscher. Er räumte auch ein, dass es zu einer ähnlichen Verwechslung im Zusammenhang mit der Universität Osaka in Japan gekommen sei.

"Nature" berichtet indessen, man habe an weiteren Kontaktadressen nachgeforscht, die Gottinger zu unterschiedlichen Zeiten angegeben habe - viele hätten sich als falsch herausgestellt. Aus den Unterlagen von "Research Policy", die SPIEGEL ONLINE vorliegen, geht hervor, dass die Herausgeber mehrere wissenschaftliche Verbindungen zu unterschiedlichen Universitäten und Forschungsinstituten anzweifeln, ebenso wie die Mitgliedschaft Gottingers in wissenschaftlichen Beiräten mehrerer Fachzeitschriften. Gesichert sind diese Vorwürfe nicht. Allerdings steht fest, dass der nun erneut Beschuldigte im Jahr 2003 aus dem Beratergremium der Zeitschrift "Technology Forecasting and Social Change" ausschied - offenbar infolge des "Kyklos"-Plagiats.

4. Teil: Lange Karriere mit Zweifeln


Zwei zurückgezogene Papers und viele offene Fragen: Handelt es sich bei alledem um Missverständnisse, Verwechslungen und Nachlässigkeiten? "Er galt als hochintelligent, aber reserviert", sagte ein ehemaliger Kollege von der Universität Bielefeld zu "Nature". Ein anderer Weggefährte, der heute an einer Berliner Fachhochschule arbeitet, sagte, es sei schwer gewesen, mit Gottinger zusammenzuarbeiten, da er "nicht sehr kommunikativ" gewesen sei. Nichts davon ist verwerflich oder gar verboten.

Doch alleine die nachgewiesenen Plagiate stellen schwerwiegende Verstöße gegen die wissenschaftlichen Gepflogenheiten dar. Weitere Verdachtsmomente gibt es in großer Zahl.

1979, berichtet "Nature", sei Gottinger beim GSF Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in München (mittlerweile ist es nach Neuherberg umgezogen) entlassen worden. Der Pressesprecher des Instituts, Heinz-Jörg Haury, sagte: "Es hat Unregelmäßigkeiten bei einem EU-Projektantrag gegeben." 1984 habe man sich daher von Gottinger getrennt. Der Forscher selbst teilte mit, er habe vielmehr gekündigt, weil die mündlich zugesagte Finanzierung eines Drittmittelprojekts geplatzt sei.

1988 wurde Gottinger dann aber Direktor des Fraunhofer-Instituts für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen in Euskirchen. Uwe Wiemken, der heutige Direktor des Instituts, sagte "Nature", die Berufung habe "nicht friedvoll geendet". Zu SPIEGEL ONLINE sagte er: "Erkennbar war, dass es Differenzen gab." Dies gehe ja auch aus der Tatsache hervor, dass Gottinger das Institut bereits nach kurzer Zeit wieder verlassen habe. Wiemken sagte auch, dass seines Wissens Plagiatsvorwürfe damals keine Rolle gespielt haben. In Österreich wäre Gottinger dann 1995 beinahe Rektor einer Hochschule geworden: An der Universität Klagenfurt fehlten ihm im entscheidenden Wahlgang nur wenige Stimmen.

Heute nennt der Forscher, der gegenüber SPIEGEL ONLINE eingeräumt hat, an keinem Institut und keiner Universität mehr angestellt zu sein, noch das International Institute for Technology Management and Economics (IITME) als Kontakt. Als Adresse nennt er dieselbe, unter der er und seine Frau auch im Ingolstädter Telefonbuch stehen. Wer das Institut mit dem wohlklingenden Namen mit der Internet-Suchmaschine Google sucht, findet lediglich drei Einträge - sie verweisen auf Fachaufsätze Gottingers.
Contact
Platinum Boarder
Beiträge: 6634
graph
Benutzer offline Hier klicken, um das Profil dieses Benutzers zu sehen
It?s True Ort: Niedersachsen...fast Küste Geburtstag: 04.06
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
Nach unseren Gesetzen der Physik kann eine Hummel nicht fliegen.
Sie weiß es nur nicht.
 
#1117
Re: Wissenschaftsfälschungen leicht gemacht... vor 4 Jahren, 9 Monaten  
Hallo

Hier ist noch ein Artikel aufgetaucht, der mich allerdings mit seinem Inhalt nicht wirklich verwundert, doch geht es um die Tatsache an sich und nicht um den Initiator dieser Sauerei...

Wissenschaftsfälschungen: US-Wissenschaftler attackieren Bush

Über 50 Wissenschaftler der "Union of Concerned Scientists" (Vereinigung besorgter Wissenschaftler) aus den USA haben am 18. Februar einen Protestbrief an George Bush verfasst. "Die US-Regierung biegt sich die Realität zurecht", heißt es darin. Die US-Regierung wiegelt ab: Dafür gebe es keinen Beweis. Doch der 38 Seiten umfassende Bericht liefert zahlreiche Belege dafür, dass die Bush-Administration Wissenschaft und Forschung massiv manipulieren.

Zu den Unterzeichnern dieser Erklärung gehören zahlreiche Nobelpreisträger der vergangenen Jahre wie Physik-Nobelpreisträger Steven Weinberg oder der Medizin-Nobelpreisträger David Baltimore.
Dem Bericht zufolge wurden regierungskritische Forschungsarbeiten behindert oder unterdrückt und Wissenschaftler gar vorweg angewiesen, was sie am Ende herauszufinden hätten. Ganz ähnlich seien in der Personalpolitik wissenschaftliche Positionen nicht nach Fähigkeiten, sondern nach politischer Einstellung zur Bush-Administration besetzt worden. Alles in allem würden Wissenschaft und Forschung zur Stützung der Innen- und Außenpolitik der Bush-Administration entsprechend "angepasst". Außerdem würden dieser zuwiderlaufende Ergebnisse unterdrückt - zum "Schaden der Gesundheit und des Wohls der ganzen Gesellschaft".

Reaktionäre Sexualmoral
Wer bislang dachte, Bushs Lüge über die Biowaffenproduktion im Irak sei nicht zu toppen, muss jetzt dazulernen. Zum Beispiel wie die Bush-Administration in Sachen Sexualmoral ihre reaktionäre Doktrin mit Hilfe gefälschter Wissenschaften vertritt. Dazu konnte man auf der Homepage des "National Cancer Institutes" (Nationales Krebsinstitut) lesen, dass Schwangerschaftsunterbrechungen Brustkrebs verursachen können. Das war zwar Unsinn, passte jedoch gut zur zeitgleichen Bush-Kampagne, in welcher dieser die Teenager zu sexueller Enthaltsamkeit aufforderte.

Kritische Wissenschaftler durch "Industrienahe Personen" ausgetauscht
Seit Jahrzehnten haben Wissenschaftler auf die Gefahren durch Bleizusätze im Benzin aufmerksam gemacht. Schätzungen der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC zufolge leiden in den USA über 400 000 Kinder unter fünf Jahren an einer Bleivergiftung, was unter anderem zu elenden Erkrankungen des Gehirns und des Zentralnervensystems geführt hat. Als aber eine Kommission beim CDC die viel zu hohen Blei-Grenzwerte senken wollte, wurden deren Mitglieder einfach gegen "Industrienahe" Personen ausgetauscht. Ein Vorgehen, das nach Meinung der Kritiker typisch ist.

"Science Studie" zum Treibhauseffekt durch Studie von Erdölindustrie ersetzt
Bei der Klimaforschung, so die kritischen Wissenschaftler, haben sich unglaubliche Dinge abgespielt. Gut dokumentiert ist, dass die personell eng mit der Ölindustrie verflochtene Bush-Administration die Anweisung gegeben hatte, keine unliebsamen Ergebnisse an die Öffentlichkeit kommen zu lassen. Darunter verstand das Weiße Haus ausdrücklich einen kritischen Abschnitt über den unnatürlichen Klimawandel aus dem Jahresbericht der "Environmental Protection Agency" (EPA) vom September 2002. Dieser stützte sich auf einen zuvor erschienenen Artikel der Wissenschaftszeitung "Science" (Ausgabe 297, S. 1 481) vom 30. August 2002, in welchem die lebensbedrohliche Zunahme des unnatürlichen Treibhauseffekts seit den 90er Jahren auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurückgeführt wurde. Später, im Sommer 2003, schrieb die Bush-Administration der EPA sogar vor, kritische Temperaturdaten in einem Klimabericht zu ignorieren und stattdessen eine längst widerlegte und teilweise von der Erdölindustrie bezahlte Studie zu verwenden.
In ähnlicher Weise war das Weiße Haus bemüht, die Veröffentlichung eines EPA-Berichts über Quecksilber-Emissionen bei Kohlekraftwerken zu unterbinden.

"Miniatomwaffen" sind gefährlich
Der Bericht deckt viele weitere Fälle von Fälschungen und Zensur auf, die allesamt ihren Ursprung in dem niedrigen und gemeingefährlichen Motiv der Gier nach Profit und Weltherrschaft haben. Zu letzterem passt auch der Umgang mit dem aus hochrangigen Physikern und Technikern bestehenden Beraterkomitees des "National Nuclear Security Administration" (NNSA).
Nachdem Mitglieder dieses Komitees in Artikeln auf die Gefahren des radioaktiven Niederschlags bei "kleinen Atomwaffen" hingewiesen hatten, wurde das Komitee kurzerhand aufgelöst.

Diktat der Monopole wird im Sozialismus abgeschafft
Dass die Wissenschaftler nunmehr mit ihrem Appell an die Öffentlichkeit gehen, ist mutig. Offenbar funktionierte das System von Zensur und Selbstzensur im US-Wissenschaftsbetrieb nicht mehr reibungslos und wird durch mehr oder weniger offene diktatorische Maßnahmen ersetzt. Aber das funktioniert noch weniger, wie man jetzt sieht. Man kann diesem Appell nur viel Erfolg wünschen und hoffen, dass er Schule macht. Die Wissenschaften müssen den Bedürfnissen und Interessen der Massen folgen. Im Kapitalismus ist das nicht möglich, weil sie unter dem Diktat der Monopole stehen. Sie davon zu befreien, ist eine wichtige Aufgabe, die mit dem Sozialismus verwirklicht werden wird. Mit dem Sturz des Imperialismus und der Errichtung des Sozialismus gehen die Wissenschaften in die Hände der arbeitenden Bevölkerung über und können zu deren Nutzen entwickelt und eingesetzt werden.
Contact
Platinum Boarder
Beiträge: 6634
graph
Benutzer offline Hier klicken, um das Profil dieses Benutzers zu sehen
It?s True Ort: Niedersachsen...fast Küste Geburtstag: 04.06
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
Nach unseren Gesetzen der Physik kann eine Hummel nicht fliegen.
Sie weiß es nur nicht.
 
#1118
Re: Wissenschaftsfälschungen leicht gemacht... vor 4 Jahren, 9 Monaten  
Und hier noch Links zu Berichten über entsprechende Fälschungen in der Wissenschaft.

www.berlinews.de/archiv-2/messages/234.html

www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/893/66827/

www.sueddeutsche.de/jobkarriere/berufstudium/artikel/673/54619/


Interessant finde ich mal wieder das z.B. ein Link zur Süddeutschen Zeitung nicht funktioniert, der ein Dossier zum Thema "Betrug in der Forschung" bereithalten sollte.
Leider ist dieser Artikel nicht mehr auffindbar - wie unanständig wenn ich da an Manipulation denke...
Contact
Platinum Boarder
Beiträge: 6634
graph
Benutzer offline Hier klicken, um das Profil dieses Benutzers zu sehen
It?s True Ort: Niedersachsen...fast Küste Geburtstag: 04.06
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
Nach unseren Gesetzen der Physik kann eine Hummel nicht fliegen.
Sie weiß es nur nicht.
 
#1119
Re: Wissenschaftsfälschungen leicht gemacht... vor 4 Jahren, 9 Monaten  
Und noch mehr zum Thema wurde von mir gefunden...


Kaugummiverbot oder Amalgamverbot ? - die ADA-LSRO-Studie


Die ADA-LSRO-Studie wird von den Auftraggebern aus der ADA und ihren Kollegen als LSRO-Studie bezeichnet.

Das wirkt sehr bescheiden angesichts des Umstandes dass die ADA den Hauptteil der gesamten Arbeit bewältigt hatte.
Die ADA (American Dental Association) ist in den USA ungefähr das was die DGZMK in der BRD ist, also eine Zahnärzteorganisation die für Amalgamschäden in der Haftung steht und sich seit vielen Jahrzehnten durch Wissenschaftsfälschungen zur Gesundheitsschädlichkeit von Amalgam aus der Affaire zieht.
Mit erheblichem Werbeaufwand wurde das Ergebnis der Studie in den Jahren 2004 und 2005 in alle Medien bracht.

Die zahnmedizinische Unterabteilung NIDCR des NIH (National Institute of Health) bekam den Auftrag das Thema Amalgam zu untersuchen. So weit scheint auf den ersten Blick alles in Ordnung zu sein. Aber auf den zweiten Blick sieht es doch anders aus. Das NIH und die FDA (Food and Drug Administration - ähnlich dem Bundesgesundheitsamt) hatten hier schon die Weichen falsch gestellt. Im NIDCR sitzen viele Mitglieder der ADA - gegen die ADA und ihre Mitglieder laufen in den USA mehrere Klagen wegen Amalgamschäden.
Das blieb nicht der einzige Fehler bei dem Zustandekommen der ADA-LSRO-Studie, der erste Fehler zog eine absehbare Kettenreaktion von weiteren Fehlern nach sich.

Laut dem US-amerikanischen Rechtsanwalt C. Brown von "Consumers for Dental Choice" wurde vom NIDCR dann eine externe Organisation ausgewählt, von der zu erwarten war, dass Sie ein Ergebnis liefern würde, das die ADA juristisch entlastet. Dabei soll das in den USA gesetzlich vorgeschriebene Ausschreibungsverfahren rechtswidrig nicht durchgeführt worden sein, weil die ADA-Mitglieder im NIDCR befürchteten, dass in Folge einer Ausschreibung eine objektive Untersuchung des Themas Amalgam stattfinden würde und dass eine solche Untersuchung haftungsrechtlich sehr ungünstig für die ADA und ihre Mitglieder ausgehen würde ist bei der ADA bekannt.

Die Studien des LSRO haben dagegen ein ganz besonderes Design, das der ADA sehr entgegenkommt
(Angaben des LSRO 2005 in www.lsro.org):

1. Man untersucht nur Literatur.
2. Die untersuchte Literatur wird vom Auftraggeber (ADA/NIDCR) vorgelegt.
3. Wer im Rahmen der Studie die Literatur untersuchen darf, wird vom Auftraggeber (ADA/NIDCR) mit bestimmt.

Da konnte für die ADA nichts mehr schief gehen.

So kam es, dass die ADA in mühsamer Kleinarbeit ein Paket von ca. 900 Studien für ihre Leute bei der LSRO zusammengestellt hatte, aus dem im Interesse der ADA-Mitglieder hervorgehen sollte, dass sie nicht in der Haftung sind. So ganz hat es aber nicht geklappt, denn bei intensivem Kaugummikauen wurde am Ende doch ein Risiko gesehen, aber eben beim Kaugummikauen, nicht beim Amalgam. Der böse Kaugummi macht das liebe Amalgam kaputt. Und einige Fragezeichen blieben stehen.

Bevor es zu diesem Ergebnis kam, das nach Angaben der LSRO aus der eingehenden Untersuchung von 300 Studien ermittelt worden war, kam es zu einem unliebsamen Zwischenfall.

Die US-amerikanische Amalgamselbsthilfegruppe DAMS (Dental Amalgam Mercury Syndrome) legte dem LSRO 2000 Studien (Peer Reviewed) vor, nach denen Amalgamfüllungen für zahlreiche Krankheiten verantwortlich sind.
Das LSRO weigerte sich diese Studien zu untersuchen, obwohl dies nach den Regeln des LSRO durchaus statthaft gewesen wäre.
Das hätte aber sicher den Ruf des LSRO als Schmiede für Gefälligkeitsgutachten gefährdet, etwa die später durchgeführte Studie für den Tabakkonzern "Philip Morris", in der die Unschädlichkeit von Zusatzstoffen im Tabak unter den gleichen Bedingungen nachgewiesen werden sollte, wie die Unschädlichkeit von Amalgam. Für das LSRO ist es von existenzieller Bedeutung, dass die Privilegien der Auftraggeber gewahrt bleiben. Wenn Studien untersucht worden wären, die von einer externen Gruppe - die dem LSRO zudem keinen Cent gezahlt hatte - vorgelegt worden waren, und das auch noch in einer Zahl, die die Zahl der von der ADA/NIDCR vorgelegten Studien weit übertraf, wären weitere Aufträge für Unbedenklichkeitsbescheinigungen zur Deckung von Straftaten sicher ausgeblieben.

Auch in den USA gibt es Widerstand gegen Wissenschaftsfälscher.

Die ADA-LSRO-"Amalgamforschungsergebnisse" wurden von Dr. Boyd Haley (Professor of the Chemistry, University of Kentucky, Lexington, KY 40506-0055), der mehrere Studien zu gesundheitlichen Auswirkungen von Amalgam und Quecksilber geleitet hat, einer eingehenden wissenschaftlichen Überprüfung unterzogen. In seiner Kommentierung der ADA-LSRO-"Amalgamforschungsergebnisse" werden so viele Fehler bei den von den ADA-Leuten "ermittelten" Fakten belegt, dass von ihm folgender Schluss gezogen wird:"This article, and the supporting comments by panel members and dentists, represents an intellectual travesty and an ethical failure of the government and dental agencies whose assignment is to protect Americans, especially American children, from exposure to neurotoxins." Der komplette Beitrag von Prof. Haley hier als Kopie zum Lesen. Auch die "International Medical Veritas Association" hat Stellung bezogen.

Ein Amalgamhersteller gehört zu den Geldgebern des LSRO - alle Amalgamhersteller finanzieren die ADA

In den USA besteht nicht die in der BRD übliche Geheimniskrämerei hinsichtlich Geldgebern und den Quellen von Finanzen. So findet man beim LSRO frei zugänglich eine Liste seiner Geldgeber.
Unter den Geldgebern fällt einer besonders auf - der Weltkonzern Procter&Gamble, denn der hat nicht nur Waschmittel und Babywindeln produziert, sondern auch Amalgamfüllungen. Das Amalgam "Blend-A-Dispers" von Procter&Gamble ist in den USA und auch in Deutschland verkauft worden.
In wie weit die Haftungsabwehrinteressen des Weltkonzerns und Amalgamherstellers Procter&Gamble das Ergebnis der ADA-LSRO-Studie zu Amalgamfüllungen mitbestimmt haben, ist uns unbekannt.
Wir schätzen den negativen Einfluß der ADA höher ein als den von Procter&Gamble.

Manipulationen sogar an der Geschichte der Amalgamvergiftung

Das ADA/LSRO hat nicht nur zur Gesundheitsschädlichkeit von Amalgamfüllungen ein vielfach manipuliertes Ergebnis vorgelegt, sondern es hat schon bei der Aufnahme grundlegender Daten "versagt". In der Presseveröffentlichung vom 9. Dezember 2004 heißt es: "For nearly a century, concerns have been raised about the potential adverse human health effects that may arise from the inhalation and absorption of mercury vapor from dental amalgam" - da fehlen offenbar fast neunzig Jahre - die massenhafte Anwendung von Amalgamfüllungen begann ca. 1820, was um so schwerer wiegt, da gerade in den USA, dem Heimatland von ADA und LSRO, in dem Zeitraum den das ADA/LSRO ausklammert das Amalgamverbot in den USA lag.

Die ADA-LSRO-Studie beruft sich auf Wissenschaftsfälscher in Europa

Obendrein beruft sich die ADA-LSRO auf bekannte Wissenschaftsfälschungen unter maßgeblicher Beteiligung der DGZMK in Europa als erwiesenen Stand der Wissenschaft.

Die GKV setzt noch eins oben drauf.

Die ADA-LSRO-Studie wurde 2005 und 2006 von der Deutschen Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) oft als Beleg dafür herangezogen, dass sie für Schäden durch die Zwangsanwendung von Amalgamfüllunge an Kassenpatienten nicht haften muss und dass es keine Amalgamvergiftungen gibt - keine Entgiftung notwendig ist. In hier vorgelegten Schreiben verschiedener Krankenkassen und in deren Zeitschriften werden Behauptungen aufgestellt wie, es seien im Rahmen der Studie mehrere hundert Menschen untersucht worden, die Studie sei absolut objektiv, es sei die größte Studie die je gemacht wurde usw. . Das ist natürlich alles falsch und erlogen.
Contact
Platinum Boarder
Beiträge: 6634
graph
Benutzer offline Hier klicken, um das Profil dieses Benutzers zu sehen
It?s True Ort: Niedersachsen...fast Küste Geburtstag: 04.06
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
Nach unseren Gesetzen der Physik kann eine Hummel nicht fliegen.
Sie weiß es nur nicht.
 
#1124
Re: Wissenschaftsfälschungen leicht gemacht... vor 4 Jahren, 9 Monaten  
Fehlverhalten wird geprüft
Dr. Ralf Breyer, Marketing und Kommunikation
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)
18.08.2004

Staatsanwaltschaft und inneruniversitäre Kommission zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten ermitteln gegen Prof. Reiner Protsch-von Zieten.
FRANKFURT. Gegen den Frankfurter Anthropologie-Professor Reiner Protsch-von Zieten sind öffentliche Vorwürfe erhoben worden, Schädeldatierungen gefälscht zu haben. Das Präsidium der Universität nimmt diese Vorwürfe ernst und hat sie an den Ombudsmann und die inneruniversitäre Kommission zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten weitergeleitet.

Die Kommission hat nach Vorprüfung der Vorwürfe die Aufgabe, diesen in einer förmlichen Untersuchung nachzugehen und der Hochschulleitung einen Bericht sowie Empfehlungen zum weiteren Verfahren vorzulegen. Die Verfahrensschritte sind in einer Empfehlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ?zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten an den Hochschulen? niedergelegt. Die Universität Frankfurt hatte 1998 als eine der ersten Universitäten in Deutschland diesen Verhaltenskodex und die damit verbundenen Verfahrensschritte verbindlich beschlossen.

Gegen Prof. Protsch-von Zieten ermittelt derzeit auch die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Unterschlagung. Die Ermittlungen in diesem Fall sind noch nicht abgeschlossen. Im Rahmen eines auf den gleichen Verdacht bezogenen universitären Disziplinarverfahrens wurde Professor Protsch von Zieten im April 2004 vorläufig des Dienstes enthoben; das Disziplinarverfahren wurde eingeleitet.

Der Kanzler der Universität Frankfurt, Hans Georg Mockel, betont, dass die Hochschulleitung der Universität Frankfurt den ermittelnden Institutionen schnell und rückhaltlos zuarbeite und sehr auf eine Klärung der Vorgänge dränge: "Unsere Verpflichtung liegt darin, diese Verfahren zu unterstützen. Daher enthalten wir uns auch derzeit jeder Kommentierung dieser laufenden Verfahren und bitten um Verständnis für diese Zurückhaltung. Erst wenn die Ergebnisse der Ermittlungen vorliegen, werden - wenn notwendig - weitere Schritte eingeleitet."

Kontakt: Hans Georg Mockel, Kanzler der Universität Frankfurt; Tel.: 069 / 798 23935; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

URL dieser Pressemitteilung: idw-online.de/pages/de/news84699
Contact
Platinum Boarder
Beiträge: 6634
graph
Benutzer offline Hier klicken, um das Profil dieses Benutzers zu sehen
It?s True Ort: Niedersachsen...fast Küste Geburtstag: 04.06
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
Nach unseren Gesetzen der Physik kann eine Hummel nicht fliegen.
Sie weiß es nur nicht.
 
#1125
Re: Wissenschaftsfälschungen leicht gemacht... vor 4 Jahren, 9 Monaten  
Gefärbte Knochen und Polywasser
Über Betrug und Irrtum in der Wissenschaft
Von Hans-Jürgen August

Heiß soll der Sommer 1898 in Minnesota gewesen sein, und die Landarbeit mit der Spitzhacke eine schweißtreibende Angelegenheit. Doch was Olof Ohman beim Versuch, eine Espe aus seinem
zukünftigen Garten zu entfernen, zutage förderte, sollte seine Mühen belohnen: Ein etwa 40 cm breiter und 80 cm langer Stein, mit einer leicht entzifferbaren Runeninschrift, derzufolge 30
Skandinavier dieses Land westlich der Großen Seen schon im Jahre 1362 aus Vinland kommend betreten hatten. Ein wunderbarer Fund, bestätigte er doch, daß schon 500 Jahre vor der weißen Besiedlung
nordische Entdecker bis weit in den amerikanischen Westen vorgedrungen waren. Schade nur, daß schon 1899 O. J. Breda von der Universität von Minnesota und der norwegische Forscher Sophus Bugge den
Runenstein von Kensington als plumpe Fälschung bezeichneten. Olof Ohman machte das Beste daraus, indem er den Stein in seine Hausmauer einbaute.

Die Angelegenheit wäre also als mißlungener Scherz ad acta gelegt worden, wäre 1907 nicht der Sachbuchautor Hjalmar Rued Holand auf den Stein aufmerksam geworden. Ein Besuch bei Ohman entzündete in
ihm die Flamme des fanatischen Missionars. Mit unermüdlichem Einsatz, in Veröffentlichungen und zahllosen Vorträgen versuchte er den Runenstein als echt darzustellen. 1948 schien er seinem Ziel ein
wichtiges Stück nähergekommen zu sein, als der Stein in der ehrwürdigen Smithsonian Institution in Washington ausgestellt wurde. Die Skeptiker, unter ihnen der Schwede Sven B. F. Jansson, wiesen auf
sprachliche Ungereimtheiten hin: Einige der verwendeten Runen seien 1362 bereits ausgestorben gewesen, andere noch gar nicht erfunden worden.

Dennoch schwelte der Streit noch lange weiter. 1958 wies Erik Wahlgren nochmals nach, daß es sich bei diesem angeblich historischen Dokument um eine Fälschung handelte, und berichtete auch, daß Ohman
ein auffallend zerlesenes Buch über Runen besaß. Ganze Passagen aus diesem Buch fanden sich auf dem Stein von Kensington wörtlich wieder.

Zwei Aspekte dieser Geschichte sind charakteristisch für viele Dokumenten- und Wissenschaftsfälschungen: Zum einen das Motiv, der Öffentlichkeit und mehr noch der Fachwelt einen Streich spielen
zu wollen. Zum anderen der nationalistische oder allgemein ideologische Eifer, der oft als Treibstoff dient, wenn eine Fälschung auf die Reise geschickt wird. In diesem Fall spielte er die
Hauptrolle, denn keiner der Beteiligten zog irgendeinen finanziellen Nutzen. Doch um die Entdeckung Amerikas durch Nordeuropäer war um die Jahrhundertwende eine nationalistische Debatte entbrannt, an
der sich die Kolumbus propagierenden Südeuropäer mit gleichen Eifer beteiligten.

Auf ähnlichen Fundamenten fußte die wohl noch immer bekannteste Wissenschaftsfälschung: 1908 fand Charles Dawson in der Nähe des südenglischen Piltdown Schädelfragmente, Zähne und einen Unterkiefer.
Holand hatte zu dieser Zeit gerade seinen Runenstein entdeckt, aber was wichtiger war: 1858 war der Neandertaler gefunden und auf ein Alter von ca. 60.000 Jahre geschätzt worden, 1907 der
Homo heidelbergensis ausgegraben worden. Charles Darwin hatte 1859 mit seinen Thesen "Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl" eine Lawine an Untersuchungen, Theorien und
heftigen Diskussionen ausgelöst und 1871 mit der Veröffentlichung "Die Abstammung des Menschen" weiter angeheizt. Man ging davon aus, der Mensch stamme direkt vom Affen ab, und die Suche nach
dem "Missing link", dem fehlenden Bindeglied in der Evolutionskette, wurde auch außerhalb der Fachwelt populär. Die führenden Evolutionstheoretiker kamen aus Großbritannien, da schmerzte es schon,
daß der Urmensch ein "Deutscher" gewesen sein sollte oder gar der 1868 in Frankreich gefundene Cro-Magnon-Mensch. Wie gerufen kam der Fund des "Eoanthropus dawsoni": Der Schädel war groß, wies also
auf ein weitentwickeltes Gehirn hin, der Kiefer dazu sah hingegen viel älter aus als jene der kontinentaleuropäischen Konkurrenten. Auf ein Alter von 200.000 Jahren wurde er geschätzt. Dem Jubel
folgte die Ernüchterung, als sich 1953 aufgrund neuer Datierungsmethoden herausstellte, daß der "Urbrite" aus einem neuzeitlichen Menschenschädel und einem Affenkiefer zusammengebastelt worden war.

Fast ebenso lang wie die Aufdeckung der Fälschung dauerte das Rätselraten um den Täter. Erst 1996 entlarvte der Londoner Paläontologe Brian Gardiner den Scherzbold: Martin Hinton, zur Tatzeit ein
hochbegabter Student und später gar Kurator für Zoologie am Natural History Museum in South Kensington, war der Schöpfer des "Eoanthropus dawsoni". Schon mit sechzehn hatte Hinton seine erste
wissenschaftliche Veröffentlichung vorgelegt. Eine in jeder Hinsicht hochinteressante Arbeit übrigens, in der Hinton zeigte, wie Fossilien ihre typische braune Färbung - im Laufe von vielen
Jahrtausenden, versteht sich - durch Kontakt mit Eisen- und Manganoxid erhielten.

Hinton wie Ohman ging es im wesentlichen um einen "Practical joke" und nicht darum, mit allen Mitteln reich und berühmt zu werden. Hinton, im Gegensatz zu Ohman profunder Kenner der Materie, die er
fälschte, ging jedoch wesentlich durchdachter ans Werk. Den arglosen Hobbyarchäologen Dawson, den er persönlich kannte, ließ er den Jahrhundertfund machen, während er selbst sich im Hintergrund
hielt. Eine ideale Position, um mit entspannter Freude zu beobachten, wie auch sein Vorgesetzter Smith Woodward, mit dem er im Streit lag, auf den Scherz hereinfiel.

Doch Fälschungen von Dokumenten oder Materialien waren beileibe keine Erfindung des 19. Jhdts. Schon griechische Städte erfanden ihre Chroniken, um Rechtsansprüche erheben zu können. Ein
Beispiel ist die Lindische Tempelchronik (99 v. Chr.), in der fiktive Schenkungen, Reliquien und anderes mehr aufgeführt sind. Die wohl berühmteste Dokumentenfälschung der Geschichte entstand jedoch
in päpstlichen Schreibstuben. 751 bestieg Pippin mit Zustimmung von Papst Zacharias den Thron der Franken und übergab den eigentlichen Thronfolger Childerich III, den letzten Merowinger, der
Obhut eines Klosters. Pippin, ebenso gottesfürchtig wie leicht lenkbar, zögerte nicht, dem Papst im Gegenzug Teile Italiens (die ihm nicht einmal gehörten) zu schenken. Moralische Bedenken wußte die
Kirche auszuräumen, forderte sie doch nur, was ihr seit über vier Jahrhunderten zustand. Schon Kaiser Konstantin I, der 306-337 regierte, hatte, wie in einem besonders guterhaltenen Dokument
nachzulesen war, dem damaligen Papst Silvester I nicht nur Rom und Italien, sondern den gesamten Westen des römischen Reiches geschenkt. Ein großzügiges Geschenk, Dank für die Heilung vom Aussatz.

Die Langobarden, zur Zeit Pippins die Herren Italiens, zeigten sich von der Idee des neuen Kirchenstaates, der mitten in ihrem Gebiet entstehen sollte, nicht begeistert. Über fünfzig Briefe schickte
der Papst an Pippin, und schließlich griff gar der Apostel Petrus (sic!) selbst zur Feder, um den Frankenkönig zu überzeugen, daß er der Kirche mit Waffengewalt zu ihrem seit Jahrhunderten
mißachteten Recht verhelfen müsse. In der Folge entstand ein Staat, der wie kaum ein anderer die Jahrhunderte in nahezu gleichbleibender Form überlebte. Dies, obwohl schon sehr früh Zweifel an der
Echtheit der Konstantinischen Schenkung aufkamen. Kaiser Otto hielt sie um die Jahrtausendwende ebenso für eine Fälschung wie Kaiser Friedrich II im 13. Jhdt. Als Papst Alexander VI mit Hinweis auf
die Konstantinische Schenkung von den Venezianern die Übergabe der adriatischen Inseln verlangte, höhnten diese, er solle doch bitte den Vermerk auf der Rückseite der Urkunde lesen, wonach das
adriatische Meer Venedig gehöre. 1440 war es Laurentius Valla, päpstlicher Sekretär und Domherr, der den Schwindel aufdeckte. Die römisch-katholische Geschichtsschreibung brauchte weitere vier
Jahrhunderte, bis auch sie den Betrug zugab. Das Patrimonium Petri existierte bis 1860/70, bis zur Einigung Italiens.

Fälschung und Betrug waren im Mittelalter offenbar Kavaliersdelikte, und die meisten Kavaliere saßen dem Kirchenhistoriker Karlheinz Deschner und dem Princeton-Professor Anthony Grafton zufolge in
den Schreibstuben der Klöster. So enthält etwa das Decretum Gratiani, das Lehrbuch des Kirchenrechts, ungefähr 500 gefälschte Rechtsdokumente, so Grafton. Erst mit Beginn der Renaissance gelang
es humanistischen und kirchenkritischen Gelehrten wie Erasmus von Rotterdam (1465-1536) oder Isaac Casaubon (1559-1614), den Dschungel von Fälschungen, der über Jahrhunderte gewuchert war, mit dem
Messer genauer Analysen ein wenig zu lichten.

Wie es in früheren Jahrhunderten gefährlich war, die Autorität der Kirche und die Richtigkeit ihrer Dogmen anzuzweifeln, wurde auch in der Sowjetunion wissenschaftliches Abweichlertum
meist mit Verbannung und Tod bestraft. Hier wie dort führten Dogmatik und politische Interessen dazu, daß an offensichtlich falschen naturwissenschaftlichen Überzeugungen mit aller Macht festgehalten
wurde. Was für die Kirche der Fall Kopernikus/Galileo und die Verdammung des heliozentrischen Weltbildes ist, ist für die Sowjetunion der Fall Lyssenko.

Trofin Denissowitsch Lyssenko wurde 1898 als Bauernsohn geboren. Nach dem Studium der Agronomie entwickelte er Theorien zur Verbesserung des Saatgutes und der Ernteerträge. Schon 1929 meldete er
erste Erfolge: Seine Winterweizensaat, die er im Frost überwintern ließ, lieferte angeblich 30 Zentner Ertrag je Hektar. Tatsächlich waren es 24 Zentner gewesen, doch diese kleine Ungenauigkeit tat
der Karriere Lyssenkos keinen Abbruch, dafür sorgte sein Mentor, der Volkskommissar für Landwirtschaft Jakowlew. 1934 endete der Versuch, Leinsamen im Schnee auszusäen, in einem Fiasko - die Saat
schimmelte und faulte. Schuld war jedoch -so Lyssenko - nicht seine Methode, sondern die Sabotage durch volksschädigende Agronomen, die sogleich nach Sibirien geschickt wurden.

Politische Repression war es auch, die Lyssenkos Versuche manchmal erfolgreich erscheinen ließen. Denn in der Furcht, bei Fehlschlägen als Saboteure und Kollaborateure des Klassenfeindes bestraft zu
werden, meldeten viele Kolchosen und Sowchosen an die Moskauer Zentralbüros Ertragszahlen, die nicht eine Waage angezeigt, sondern die Angst diktiert hatte.

Wie die Schadenssumme seiner Versuche erklomm Lyssenko selbst ungeahnte Höhen und wurde schließlich Präsident der Lenin-Akademie der landwirtschaftlichen Wissenschaften. Aus heutiger Sicht erscheint
dies schwer erklärbar, doch wird es vor dem ideologischen Hintergrund verständlich. Lyssenkos naturwissenschaftliche Theorien waren stets im Einklang mit den politisch-ideologischen, und er verfügte
über genug rhetorisches Können, diese Verquickung auf Kongressen und Parteiveranstaltungen deutlich zu machen. An seinen Theorien zweifeln hieß somit an den Grundfesten der sozialistischen
Gesellschaft rütteln, und daß dies nicht geduldet werden konnte, war nicht nur Stalin, sondern auch Chruschtschow klar. So wie zu dieser Zeit aus ideologischen Gründen die Relativitätstheorie
abgelehnt wurde, galt auf biologischem Gebiet der Kampf dem "Mendelismus-Morganismus-Weismannismus". Diese Genetik, wie sie im Westen vertreten wurde, sah den Menschen wesentlich durch seine
Erbanlagen bestimmt · dies stand natürlich in krassem Widerspruch zur Überzeugung, der Mensch werde durch die Gesellschaft geformt. (Diese beiden Pole spiegeln sich · abgeschwächt · noch heute im vor
allem in den USA in den Humanwissenschaften erbittert und nicht selten mit wissenschaftlichen Fälschungen geführten Kampf zwischen "Biologisten" und "Behaviouristen" wieder.) S. W. Kaftanow, Mini
ster für Höheres Erziehungswesen, verstieg sich gar zu der Behauptung, in einer "fortschrittlichen, sozialistischen Gesellschaft" könne es keine Erbkrankheiten geben. Die Existenz von Genen
wurde noch zur Zeit des Zweiten Weltkriegs geleugnet.

In Übereinstimmung mit der Parteidoktrin war Lyssenko nicht nur überzeugt, die Eigenschaften eines Lebewesens ließen sich weitestgehend formen, sondern vertrat die Ansicht, diese erworbenen
Eigenschaften würden sich vollständig weitervererben. "Anything goes", mußte sein Schüler Boschjan wohl gedacht haben, als er verkündete, Bakterien in Viren verwandeln zu können und vice versa,
was dann aber doch als Fälschung auffiel. Lyssenkos Sturz kam mit jenem Chruschtschows, der bis zuletzt treu zu ihm gehalten hatte. Zu groß war die Schande, als die Sowjetunion 1963/64 erstmals
amerikanischen Weizen importieren mußte, um Hungersnöte zu vermeiden, zu offensichtlich war, daß sich die biologischen Merkmale von Weizen nicht zum Wohle des Sowjetvolkes umerziehen ließen.

1965/66 fiel an sowjetischen Schulen der Biologie-Unterricht aus · die zuständigen Stellen hatten erkannt, daß der Inhalt der Lehrbücher einer grundlegenden Revision bedurfte. Etwa zur gleichen Zeit
führte Nikolai Fedyakin an der etwa 300 Kilometer von Moskau entfernt gelegenen Hochschule von Kostruma ein Experiment durch, dessen Ergebnisse noch zehn Jahre später für Aufregung vor allem in
westlichen Medien sorgen sollten. Schon Lord Kelvin (1824-1907) hatte gezeigt, daß Wasser, liegt es in feinsten Tröpfchen vor, andere Eigenschaften hat als wenn es in großen Mengen vorkommt (z.B.
einen geringeren Dampfdruck). Ebenfalls anerkannt war, daß an feste Oberflächen grenzende Flüssigkeiten besondere Eigenschaften besitzen.

Am intensivsten wurde die Physik der Flüssigkeitsoberflächen in der Sowjetunion vorangetrieben. Ein beliebtes Experiment war, das Verhalten von Flüssigkeiten in sehr dünnen Kapillaren zu untersuchen,
und was Nikolai Fedyakin Anfang der Sechziger in seiner Provinzhochschule beobachtete, sah sensationell genug aus, um die Physik der Oberflächen und Flüssigkeiten zu revolutionieren: Ohne äußere
Einwirkung teilte sich die Wassersäule in der Kapillare in zwei Abschnitte, die durch einen Bereich ohne Flüssigkeit getrennt wurden. Die Leitung der weiteren Untersuchungen zog Boris Deryagin,
Direktor des Laboratoriums für Oberflächenkräfte des Moskauer Instituts für Physikalische Chemie an sich. Tatsächlich ließ sich Fedyakins Experiment mit gleichem Ergebnis wiederholen. Die
Reproduzierbarkeit, das wichtigste Kriterium naturwissenschaftlicher Experimente, war also gegeben. Die Untersuchung des Wassers im oberen Abschnitt der Kapillare lieferte sensationelle Ergebnisse:
Die Dichte war um etwa 40% höher als bei üblichem Wasser, der Siedepunkt lag bei 250 Grad Celsius.

Der ersten Veröffentlichung im Jahr 1962 folgten einige weitere, allesamt jedoch in sowjetischen Fachzeitschriften. Da westliche Wissenschaftler meist nicht Russisch sprachen und nur die bekanntesten
Fachzeitschriften übersetzt wurden, blieb das Echo im Westen zunächst aus. Doch als Deryagin 1966 in Nottingham an einem Symposium teilnahm, ließen seine Berichte die westlichen Forscher aufhorchen.
Dies lag auch an den Randbedingungen: Mitte der Sechziger hatten sowjetische Forscher vor allem in der Weltraumtechnik einen Vorsprung, der im Westen als beängstigend empfunden wurde. Sputnik hatte
1957 sein Funksignal gesendet und Juri Gagarin 1961 als erster Mensch die Erde im Weltraum umkreist. Kennedy hatte zwar zur Aufholjagd geblasen, doch noch war das Rennen nicht gewonnen, noch lag die
Mondlandung in ungewisser Zukunft. Verstärkt durch politische Zwischenfälle wie den Bau der Berliner Mauer oder die Kubakrise war man überzeugt, daß jeder Etappensieg entscheidend sein könnte.

Wenn also die Russen einer neuen Form von Wasser, dieses elementarsten Grundstoffs, auf der Spur waren, so hieß es, diese Spur aufzunehmen und zu verfolgen. Außerdem war Deryagin im Gegensatz zu
Lyssenko als ernstzunehmender Wissenschaftler bekannt und die Oberflächenphysik im Gegensatz zur Genetik nicht der Ideologie des Moskauer Politbüros unterstellt. Was der zurückhaltende Russe in
Nottingham erzählte, klang auf jeden Fall interessant, seine Spekulationen sensationell. "Es gibt sehr überraschende Momente", sagte er, "wenn sehr, sehr kleine Konzentrationen gewisser Verbindungen
in Wasser gelöst sind, und solche Konzentrationen haben z.B. Auswirkungen auf das Herz eines Froschs." Auch spekulierte er, Wasser könne sich möglicherweise an den früheren Kontakt mit der
Quarzoberfläche der Kapillare "erinnern" und dadurch seine Eigenschaften bleibend, also auch außerhalb der Kapillaren ändern. (Überlegungen, die übrigens an jene aktuellen zur Wirkungsweise der
Homöopathie erinnern.)

Weit dramatischer war jedoch die Bemerkung, anomales Wasser sei die eigentlich stabile Form des Wassers. Im Laufe der Zeit sei daher mit einer vollständigen Umwandlung des normalen Wassers in seine
stabile Form zu rechnen. Von hier zum folgerichtigen Schluß, daß dies sämtliches Leben auf der Erde auslöschen würde, war nur ein kleiner Schritt. Brian Pethica, Direktor des 800 Mitarbeiter starken
Unilever-Forschungzentrums bei Liverpool, witterte in anomalem Wasser aber auch einen Stoff, der die Lebensmitteltechnik und Biologie revolutionieren könnte. Zahlreiche britische Wissenschaftler
unterbrachen ihre laufenden Forschungsprojekte, um sich ganz und zunächst geheim dem anomalen Wasser widmen zu können.

Viele britische Forschungseinrichtungen wurden damals von amerikanischen Stellen subventioniert, die sich im Gegenzug über Verbindungsoffiziere vom Stand der Forschung unterrichten ließen. Die
britischen Wissenschaftler, damals wie heute ernste Konkurrenten der Amerikaner, verstanden es aber offenbar gut, die amerikanischen Agenten mit all jenen Informationen zu sättigen, die sie selbst
für nutzlos hielten. Erst 1968 trug Pethica die Kunde vom anomalen Wasser über den Atlantik und löste damit eine Lawine an Untersuchungen aus. Ellis R. Lippincott, ein führender amerikanischer Spek
troskopiker, meldete 1969, die Spektren, die bei anomalem Wasser gemessen würden, unterschieden sich von allen bisher bekannten. Und er lieferte gleich einen Namen für dieses neue Material,
das er sich in der Form polymerisierter Wasseratome vorstellte: Polywasser. F. J. Donahoe vom Wilkes-College in Pennsylvania schrieb, er halte Polywasser für das gefährlichste Material auf Erden ·
hatte nicht schon Deryagin die Umwandlung allen Wassers der Erde in Polywasser prognostiziert?

Keine Frage: Sollten sich die Spekulationen über Polywasser bewahrheiten, so war diese Entdeckung mindestens so wichtig wie jene der Elektrizität und weit folgenschwerer als etwa die der
Kernspaltung. Entsprechend hektisch reagierte der Wissenschaftsbetrieb.

Doch als die Amerikaner Leland Allen und Peter Kollmann die These vom Polywasser mit quantentheoretischen Berechnungen zu stützen versuchten, waren die skeptischen Stimmen einiger Experimentatoren
schon lauter geworden. Im Laufe der Jahre 1970 und 1971 schmolz die Vision vom Polywasser im Lichte genauerer Untersuchungen dahin wie völlig normales Eis in der Sonne. Im März 1970 meldete Dennis
Rousseau von der University of Southern California, Polywasser bestehe vor allem aus Natrium- und Kalium-Verunreinigungen, Stoffen, die aus den Quarzkapillaren ausgelaugt wurden. Kurz darauf erklärte
Lippincott, seine vormals einzigartigen Spektren seien durch Gemische organischer Säuren ebenfalls herstellbar, im Jänner 1971 distanzierte sich Pethica von Polywasser, im Oktober 1971 brachten neue
quantentheoretische Berechnungen Allen und Kollmann zu Ergebnissen, die jenen in deren ursprünglichen Arbeiten "diametral entgegengesetzt" waren.

Deryagin selbst ließ sich bis 1973 Zeit, bis er in einem Brief an "Nature" eingestand, daß die Eigenschaften des anomalen Wassers "auf Verunreinigungen und nicht auf die Existenz von
polymeren Wassermolekülen zurückzuführen" waren. Anders als bei allen zuvor genannten Fällen lag dem Fall Polywasser keine Betrugsabsicht zugrunde, sondern ein simpler Irrtum, der aufgrund
experimenteller Probleme (in diesem Fall der Unmöglichkeit, Polywasser in größeren Mengen herzustellen), einige Jahre lang unaufgedeckt blieb.

Interessante Parallelen hierzu weist ein anderer Fall auf, der 1989 begann. Wieder geht es um ein hinsichtlich der benötigten Apparate einfaches Experiment, wieder um ein Thema, das für die
menschliche Zivilisation von zentraler Bedeutung ist. Und wieder spielten die Massenmedien eine gewichtige Rolle. Noch bevor sie einen wissenschaftlichen Artikel hierzu veröffentlichten, meldeten
Martin Fleischman und Stanley Pons, damals beide an der University of Utah tätig, in einer Pressekonferenz, ihnen sei die sogenannte "kalte Fusion" gelungen. Die Tragweite dieser Behauptung
wird dann deutlich, wenn man bedenkt, daß die "heiße" Kernfusion in unkontrollierter Form bei der Explosion der Wasserstoffbombe und im Inneren der Sonne stattfindet. Die hohen Energien, die dabei
freigesetzt werden, versuchen internationale Wissenschaftlerteams seit Jahren mit wenig Erfolg in kontrollierter Form zu nutzen.

Was also Hunderten Forschern mit Milliardenbeträgen und haushohen und hochkomplexen Apparaturen nicht gelungen war, das wollten Fleischman und Pons mit etwas erreicht haben, was im Grunde nicht mehr
als eine Batterie aus etwas exotischeren Materialien war. Schickte man in diese Batterie Energie hinein, so erhielt man die vierfache Menge zurück. Das bedeutete nicht weniger als die Lösung aller
Energieprobleme. Wieder wurde weltweit in Hunderten Laboratorien versucht, dieses Experiment nachzuvollziehen, und die Ergebnisse lieferten jenes Bild, das für die Wissenschaft das unangenehmste ist:
Fleischmans und Pons? Resultate konnten weder eindeutig widerlegt noch eindeutig bestätigt werden. Mal wurde kein Energiegewinn gemeldet, mal waren es 30%, ein andermal 150%. Exakt reproduzierbar,
das geben auch die meisten Verfechter der kalten Fusion zu, sind die Ergebnisse nicht.

Dennoch floß nicht wenig Geld in weitere Untersuchungen. Amerikanische Institutionen wie die Electric Power Research Industry und vor allem japanische Stellen wie das MITI und Unternehmen wie
Toyota investierten zunächst großzügig. Bis heute ist der Streit um die kalte Fusion nicht beendet, das Spektrum der Meinungen weit. Neben völliger Ablehnung und völliger Zustimmung gibt es moderate
Stimmen, denen zufolge die berichteten Effekte nicht auf kalte Fusion zurückzuführen seien, es aber möglich sei, daß sich in der "Batterie" bislang unbekannte chemische Prozesse abspielten.

Die Grenze zwischen Betrug und Irrtum zu ziehen fällt in diesem Fall besonders schwer. Als die angesehene italienische Tageszeitung "La Repubblica" schrieb, die Kalte Fusion sei ein
"wissenschaftlicher Schwindel", wurde sie von Fleischman, Pons und einigen italienischen Kollegen geklagt. Die Forscher verloren den Prozeß zwar, doch ist anzunehmen, daß zumindest sie selbst
von der Richtigkeit ihrer Ergebnisse überzeugt waren (und sind).

Neben dem Motiv des mehr oder weniger bösgemeinten "Bubenstreiches" (wie beim Runenstein und beim Piltdown-Schädel) und dem politisch-ideologischen Hintergrund (etwa im Mittelalter oder bei Lyssenko)
spielt in den meisten Fällen von Betrug und auch von nichteingestandenem Irrtum eine Triebkraft mit, die einen zentralen Aspekt der meisten Gesellschaften darstellt: Jene des persönlichen beruflichen
und sozialen Aufstiegs. Martin Hinton, der englische Knochenfärber, ist eine der wenigen Ausnahmen (er genoß das Spektakel um die Piltdown-Funde aus dem Zuschauerraum), der Harvard-Wissenschaftler
John Darsee hingegen ein Paradefall. Während zweier Jahre um 1980 sendete er 118 Artikel zur Kardiologie an Zeitschriften. Als sich herausstellte, daß der Großteil der Daten erfunden war, führte dies
unter dem Vorsitz von Al Gore zum ersten Hearing im amerikanischen Kongreß über wissenschaftliche Fälschungen. Eine Droge für hyperaktive Kinder hatte Steven Burning gefunden und in einem Artikel
beschrieben. Vielleicht hatte er die Bedeutung des Themas unterschätzt, jedenfalls wurde seine Arbeit eine der meistzitierten auf diesem Gebiet, Grundlage auch für detaillierte Therapiepläne.
1988 gab Burning zu, die Arbeit gefälscht zu haben.

Um Geld und Ruhm ging (und geht) es auch bei der Suche nach dem Erreger der meistdiskutierten Krankheit der letzten zwei Jahrzehnte. Wer als erster die Ursache für AIDS finden sollte, konnte
über Patentrechte für Tests und die Entwicklung von Medikamenten sich und sein Forschungsinstitut reich machen und sich zum Anwärterkreis für den Medizin-Nobelpreis zählen. Luc Montaigner vom Pariser
Pasteur-Institut und Robert Gallo vom amerikanischen National Cancer Institute lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Gallo, der mediengewandtere, vermutete 1982, die Ursache für AIDS sei ein
Retrovirus. 1983 fand er den Human T-cell Leukemia Virus I (HTLV-I) bei AIDS-Patienten und schrieb ihm eine entscheidende Rolle zu. Allerdings kam dieser Virus am häufigsten in Japan vor, wo damals
noch kein AIDS-Fall gemeldet war.

Im selben Monat fand Montaigner den Lymphadenopathy Associated Virus (LAV) und schickte Proben an Gallo. Im April 1984 verkündete Gallo, er habe den AIDS-Erreger (HTLV-III) gefunden und einen Test
zum Nachweis des Erregers entwickelt. Der zugehörige Artikel erschien einen Monat später in "Science". 1985 beschuldigte das Pasteur-Institut Gallo und seine Mitarbeiter, die von Montaigner
zugesandten Proben für eigene Zwecke mißbraucht zu haben. Der Konflikt eskalierte rasch und belastete die ohnehin nicht ganz spannungsfreien franko-amerikanischen Beziehungen so sehr, daß er auf
höchster Ebene beigelegt wurde. 1987 unterzeichneten Gallo, Montaigner, Präsident Ronald Reagan sowie Premier Jacques Chirac eine Erklärung, derzufolge sowohl Gallo als auch Montaigner als Entdecker
des mittlerweile Human Immunodeficiency Virus (HIV) genannten Erregers gelten sollten.

Doch beendet war der Fall damit noch nicht. Im November 1989 schrieb der Journalist John Crewdson in der "Chicago Tribune" über Unregelmäßigkeiten in den Veröffentlichungen des wichtigsten
Mitarbeiters von Gallo, Mikulas Popovic. Hier schaltete sich das US-amerikanische "Office of Research Integrity" ein und beschuldigte Gallo und vor allem Popovic zunächst, die französischen
Erkenntnisse sozusagen "gestohlen" zu haben.

Es war ein anderer berühmter Fall, der zur Gründung dieser staatlichen amerikanischen Institution zur Untersuchung von "wissenschaftlichem Fehlverhalten" geführt hatte. 1986 fand die Assistentin
Margot O?Toole bei der Analyse der Laborbücher ihrer Kollegin Thereza Iminashi-Kari einige Diskrepanzen zu Artikeln, die auf der Grundlage dieser Experimente erschienen waren. Sie wies Iminashi-Kari
und deren damaligen Vorgesetzten, den Nobelpreisträger und Co-Autoren David Baltimore, auf ihre Bedenken hin, und erhielt zur Antwort, die Diskrepanzen seien für den wissenschaftlichen Inhalt des
Artikels ohne Belang. O?Toole kontaktierte daraufhin das renommierte Massachussets Institute of Technology, an dem Baltimore arbeitete, und die Tufts University, zu der Iminashi-
Kari mittlerweile gewechselt war. Untersuchungen von Gremien beider Institutionen unterstützten die Ansicht von Baltimore und Iminashi-Kari. Doch O?Toole gab nicht auf: Schließlich landete der Fall
beim amerikanischen Kongreß, der die Gründung des "Office of Scientific Integrity" (wie ORI zunächst hieß) initiierte. Als Ergebnis jahrelanger Untersuchungen klagte das ORI Thereza Iminashi-
Kari schließlich in 19 Punkten von "wissenschaftlichem Fehlverhalten" an. Margot O?Toole wurde wegen ihres Einsatzes zur Wahrheitsfindung gelobt und David Baltimore, der selbst nicht angeklagt wurde,
gescholten, weil er über Jahre immer wieder geäußert hatte, er sei von der Unschuld Iminashi-Karis überzeugt. In der Folge trat Baltimore als Präsident der New Yorker Rockefeller University zurück.
Die Beschuldigte Iminashi-Kari legte jedoch 1994 Einspruch gegen die Beschuldigungen des ORI und dessen Direktorin Lyle Bivens ein, wodurch der Fall neuverhandelt wurde.

Leider neigt die Öffentlichkeit vor allem bei brisanten Delikten zu überstürzten Vorverurteilungen, wobei oft Unschuldigen größter Schaden zugefügt wird. Der Vorwurf der Wissenschaftsfälschung
unterscheidet sich dabei nicht von Anschuldigungen anderer schwer nachweisbarer Verbrechen, wie die Fälle Popovic und Iminashi-Kari zeigen. Beide wehrten sich gegen die Beschuldigungen des ORI, beide
Fälle eskalierten. Jahrelang blieb Thereza Iminashi-Kari von staatlichen Förderungen ausgeschlossen. 1996 endlich wies das Berufungskomittee sämtliche Anschuldigungen gegen die Wissenschaftlerin
zurück und warf ihrer Widersacherin O?Toole vor, sich der "Rolle einer Partisanin verschrieben" zu haben.

Eine schwere Niederlage für das ORI, doch nicht die erste: Im November 1993 mußte das ORI sämtliche von der Anklägerin Suzanne Hadley vorgebrachten Anschuldigungen gegen Gallos Mitarbeiter Popovic
zurückziehen. Vier Jahre lang war dieser arbeitslos gewesen, weil keine amerikanische Institution jemanden anstellen wollte, gegen den der Verdacht des Betrugs im Raum stand. Schließlich fand er in
Schweden eine Arbeitsstelle. Inzwischen hat er den amerikanischen Staat auf Schadenersatz verklagt. Nachdem das ORI seine zwei berühmtesten Fälle verloren hatte, vermutete die New York Times am 25.
Juni 1996, "daß irgendetwas mit diesem Untersuchungsapparat zur Aufdeckung wissenschaftlichen Betrugs und Fehlverhaltens furchtbar schiefgelaufen ist".

Literatur (Auswahl): Karl Corino (Hrsg.): Universalgeshichte des Fälschens, Eichborn 1996 Anthony Grafton: Fälscher und Kritiker, Fischer 1995. Felix Franks: Polywasser, Vieweg 1984. Scientific
American, Ask the experts: Cold fusion,
Contact
Platinum Boarder
Beiträge: 6634
graph
Benutzer offline Hier klicken, um das Profil dieses Benutzers zu sehen
It?s True Ort: Niedersachsen...fast Küste Geburtstag: 04.06
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
Nach unseren Gesetzen der Physik kann eine Hummel nicht fliegen.
Sie weiß es nur nicht.
 
#1171
Re: Wissenschaftsfälschungen leicht gemacht... vor 4 Jahren, 9 Monaten  
Wissenschaftsfälschungen sind heute an der Tagesordnung

Jeder Amateurfunker – und dazu benötigt er keinen Professorentitel - weiß, daß er im Nebenband der Deutschen Welle, auch über äußerst schwachen Leistungen mit seinem Funkerkollegen in Australien Kontakt aufnehmen kann.
Dieses Phänomen - in Fachkreisen als Mitzieheffekt bekannt - dokumentiert zweifelsfrei, daß unterschiedliche Frequenzen sich gegenseitig verstärken können.
Bei allen „wissenschaftlichen Studien“ im Labormaßstab werden diese Summeneffekte „unterschlagen“ bzw. nicht beachtet, obwohl gerade die Frequenzmischungen hoch- und niederfrequenter elektromagnetischer Strahlungen massive biologische Wirkungen hervorrufen können.

Die Liste der in Frage kommenden Quellen ist lang:
Bildsteuersignale, starke Radiosender, Radar-, Höchst- und Hochspannungsanlagen, Transformations- bzw. Umspannstationen, schnurlose DECT Heimtelefone u. v. m.

Kurz: Alle periodischen, technischen Aussendungen über das gesamte Spektrum.

Eine unter www.land-sbg.gv.at/celltower/german/start_g.html abgelegte Studie, schneidet die Problematik an und dokumentiert, daß z. B. Rundfunksender die gepulste Hochfrequenz km-weit mitschleppen können.
Contact
Platinum Boarder
Beiträge: 6634
graph
Benutzer offline Hier klicken, um das Profil dieses Benutzers zu sehen
It?s True Ort: Niedersachsen...fast Küste Geburtstag: 04.06
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
Nach unseren Gesetzen der Physik kann eine Hummel nicht fliegen.
Sie weiß es nur nicht.
 
Zum Anfang gehenSeite: 12
Moderation: grandmaster

Login



Umfragen

Was steht uns 2012 bevor?

Der Weltuntergang - 7%
Eine schlimme Katastrophe - 18.5%
Nichts. Alles reine Panikmache. - 55%
Ich weiss es nicht. - 19.5%

Gesamte Stimmen: 416
The voting for this poll has ended on: 31 Dez 2011 - 23:59

Online User

0 Mitglied(er) online