Hallo zusammen
Ist Euch schon mal aufgefallen, wieviel Geld man für die ärztliche Versorgung aufbringen muß, wie ständig die Beiträge der Krankenkassen steigen?
Und habt Ihr Euch auch schon einmal gefragt, wie das denn angehen kann?
Der Stern hat in der neusten Ausgabe des Rätsels Lösung präsentiert, obwohl es nichts wirklich neues ist, denn es war schon mitunter bekannt, das es Ärzte gab und noch gibt, die es nicht alles so ganz genau nehmen.
Oder andersherum gesagt, sie lassen sich schlicht und ergreifend kaufen.
Angeblich ein völlig regelkonformes Verhalten...
Nun gut, ein Reporter hat da eine Story aufgedeckt, die wirklich interessant ist, besonders wenn man sieht wie sich die Leute alle in Seelenruhe bedienen und sich die Taschen füllen - auf unsere Kosten!
Und das auch noch sehr gut wie ich meine.
Hier der Artikel
Der Pharma-Skandal
Ärzte werden mit Geld geködert, Apotheker mit Geschenken überhäuft: Dem stern liegen Tausende E-Mails, Schecks und geheime Protokolle vor, die zeigen, wie der Pharmakonzern Ratiopharm seine Medikamente in den Markt drückt.
Jeden Morgen stehen in Deutschland 20.000 Pharmavertreter auf und machen sich auf den Weg in Arztpraxen und Apotheken. Schätzungsweise 400 von ihnen sind im Auftrag der Firma Ratiopharm unterwegs, des bekanntesten Herstellers günstiger Nachahmer-Medikamente in Deutschland. Der Kofferraum dieser Außendienstmitarbeiter ist prall gefüllt mit "Kontaktware": So nennt man in der Branche Gratis-Medikamente, die der Pharmareferent dem Arzt schenkt, damit der sie seinen Patienten schenkt, mit dem Ziel, dass die Patienten künftig immer nach dem gleichen Mittel verlangen.
Die Kontaktware, die ein einziger Pharmareferent übers Jahr verschenkt, ist so gigantisch, dass sich damit locker drei Apotheken füllen ließen. Im Juni vergangenen Jahres hat Ratiopharm seinen Außendienstlern die "Musterplanung 2005" geschickt, die dem stern vorliegt: eine genaue Auflistung, wie viele Gratis-Medikamente (so genannte Ärztemuster) ein Außendienstler im Jahr erhält. Darunter sind 2100 Packungen des Blutdrucksenkers Amlodipin, 500 Packungen Schmerztabletten Diclofenac, 3800 Packungen des Herz-Kreislauf-Mittels Metoprolol und so weiter. Insgesamt bekommt ein Ratiopharm-Referent mehr als 40.000 Arzneimittelpackungen zum Verschenken. Ratiopharm bestreitet gegenüber dem stern, dass die Zahlen der Musterplanung "für das aktuelle Jahr" entsprechen.
Wer all diese Packungen in der Apotheke kaufen will, müsste dafür schätzungsweise 250.000 Euro hinblättern. Außendienstler, die besonders viele Ärztemuster benötigen, bekommen noch mal 20 Prozent mehr Gratis-Packungen. Weil die ganze Ware in keinen Kofferraum der Welt passt, stapeln sich die Medikamente meist im Keller der Außendienstler oder in deren Garage. Pharmareferenten erkennt man auch daran, dass sie ihr Auto zu Hause im Freien parken.
Für Ärzte sind die Gratis-Medikamente aber kein besonderes Lockmittel mehr, zumal sie auch von anderen Pharmakonzernen damit überschüttet werden. Um die Ärzte bei Laune zu halten, hat sich Ratiopharm deshalb ein paar weitere Vergünstigungen einfallen lassen. In einem firmeninternen Protokoll bereits aus dem Jahr 1993 heißt es etwa unter der Überschrift "Besondere Wünsche":
"Pro Mitarbeiter (d. h. Pharmareferent, d. Red.) werden 3 Wünsche a 500 DM genehmigt. Der Arzt bekommt dafür in jedem Fall einen Scheck und keine Naturalien wie z. B. Opernkarten o. ä. Offiziell wird der Scheck gegenüber der Buchhaltung damit gerechtfertigt, dass der Arzt eine Studie durchgeführt hat. Es ist darauf zu achten, dass mit der Wunscherfüllung eine konkrete Verordnungsverpflichtung verknüpft wird."
Vom stern damit konfrontiert, antwortete Ratiopharm: "Ein Protokoll dieses Inhalts ist uns nicht bekannt."
Dagmar Siebert ist seit fünf Jahren Vertriebschefin bei Ratiopharm in Ulm
Geld soll der Arzt also nur dann bekommen, wenn er sich verpflichtet, Ratiopharm-Präparate zu verschreiben. Leistung und Gegenleistung. Was aber soll schlecht daran sein, Ratiopharm zu verschreiben?, kann man sich fragen. Schließlich sind deren Nachahmer-Medikamente doch grundsätzlich günstiger als Originalpräparate (Werbespruch des Unternehmens: "Gute Preise. Gute Besserung"). Das stimmt allerdings nicht ganz. Denn Ratiopharm ist innerhalb der Generikasparte keineswegs besonders günstig, sondern gehört zu den teureren Anbietern, wie man an den Festpreisen einiger häufig verschriebener Arzneimittel sieht. Ärzte könnten also, wenn sie unabhängig wären, deutlich billigere Mittel verordnen:
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* Ciprofloxacin zum Beispiel, ein Antibiotikum (250 Milligramm, 20 Tabletten) kostet von der Firma 1-A-Pharma 19,92 Euro, bei Ratiopharm 24,38 Euro.
* Lamotrigin, ein Medikament gegen Epilepsie (100 Milligramm, 200 Stück), kostet von der Firma Aliud 169,37 Euro, von Ratiopharm 187,85 Euro.
* Omeprazol, ein Mittel gegen Magenübersäuerung (20 Milligramm, 30 Kapseln), kostet von der Firma TAD 29,80 Euro, von Ratiopharm 33,95 Euro.
* Simvastatin, ein Blutfettsenker (20 Milligramm, 100 Tabletten), kostet von 1-A-Pharma 42,60 Euro, von Ratiopharm 46,67 Euro.
Weil sie nicht zu den wirklich günstigen Arzneimittelfirmen gehört, rechnet es sich für Ratiopharm durchaus, Ärzte mit Geldgeschenken zu überzeugen.
Wie aber stellt ein Außendienstmitarbeiter fest, ob sich der Arzt tatsächlich an sein Versprechen hält und künftig häufiger Ratiopharm verschreibt? Die Lösung dafür bieten Praxisprogramme wie Doc-Expert, eine Software, die die Firma dem Arzt empfiehlt, um seine Praxis zu managen: Er kann damit Patientendaten anlegen, Medikamente aus einer elektronischen Datenbank auswählen und Rezepte drucken. Die einfache Version von Doc-Expert kostet derzeit 1900 Euro - doch Ratiopharm zeigt sich auch hier großzügig und spendiert jedem Arzt, der das will, einen Gutschein im Wert von 1900 Euro, damit er Doc-Expert installiert. Ganz uneigennützig ist das Sponsoring aber nicht. Denn wenn ein Arzt die Software auf seinen Computer lädt und anschließend einen Wirkstoff (z. B. Omeprazol) verordnen will, erscheint als erste Auswahl ein Präparat von Ratiopharm. Selbst wenn der Arzt das spezielle Präparat einer anderen Firma sucht, erscheint neben dem gesuchten Medikament auch ein Produkt von Ratiopharm auf dem Bildschirm.
Wie erfolgreich Doc-Expert das Verschreibungsverhalten beeinflusst, sieht man daran, dass Ratiopharm bei niedergelassenen Ärzten auf einen Marktanteil von 22 Prozent kommt, gemessen am Umsatz der verschriebenen Mittel, bei jenen Ärzten aber, die mit Doc-Expert arbeiten, auf 39 Prozent. Dies sind Ergebnisse einer Datenerhebung der Firma Medimed unter mehreren tausend Ärzten, über die auch die Zeitschrift "Generika" (Heft 1/2004) berichtete. Ratiopharm behauptet gegenüber dem stern, solche Daten nicht zu kennen.
Der Trick mit der Software gehört zur Standardstrategie vieler Generikakonzerne: So sponsert die Firma Stada ein ähnliches Programm namens Compumed. Stada kommt auf einen Marktanteil von sechs Prozent in Deutschland. Ärzte, die Compumed installiert haben, verschrieben 2004 aber genau doppelt so häufig Stada-Medikamente. Damit konfrontiert, antwortete Stada dem stern: "Wir bitten Sie um Verständnis, dass die Stadapharm selbst aus prinzipiellen Gründen die vertriebspolitischen Details, auf die Sie mit Ihren Fragen zielen, angesichts des hohen Wettbewerbsdrucks in unserer Branche nicht offenlegt."
Die Firma Sandoz wiederum, die in diesem Jahr den Generikahersteller Hexal gekauft hat, kooperiert mit dem Hersteller der Software Quincy win. Diese bringt den Arzt dazu, dass, auch wenn er ein anderes Produkt verschreiben will, ein Sandoz-Präparat auf dem Bildschirm erscheint. Der Einfluss der Praxis-Software geht auch Bruno Müller-Oerlinghausen von der Arzneimittel-Kommission der deutschen Ärzteschaft zu weit. "Das ist mehr als Werbung", erklärte er, "das ist gezielte Manipulation." Dagegen vertritt Sandoz auf Nachfrage den Standpunkt: "Der Arzt bleibt bezüglich Rezeptierung immer Endentscheider."
Mittlerweile haben sich "weit über 90 Prozent aller Ärzte" für ein Programm mit Pharmawerbung entschieden, wie die Anbietervereinigung solcher Software mitteilt. Und ein Insider gesteht: "Nur 10 bis 15 Prozent der Ärzte sind in der Lage, die Software in ihrem Computer so zu verändern, dass die Medikamente der Sponsorfirma nicht vorausgewählt werden. Als Arzt hat man gar nicht die Zeit, lange rumzuklicken. Im Alltag muss die Medikamentenverschreibung zack, zack gehen."
Die Praxis-Software kann aber noch viel mehr, als die Medikamentenauswahl zu lenken: Sie spuckt auf Befehl eine genaue Liste aus, welche Medikamente welcher Firma der Arzt im vergangenen Quartal verschrieben hat. "Verordnungsmanagement" heißt das bei Ratiopharm, abgekürzt V.O.M. Erst durch V.O.M. ist aber erkennbar, ob ein Arzt sich seine Schecks von Ratiopharm auch redlich verdient. Manche Ärzte, die sich gegenüber dem Pharmakonzern besonders kooperativ zeigen, werden nämlich regelmäßig mit V.O.M.-Schecks entlohnt. Dazu hat Ratiopharm ein Modell entwickelt, das den beteiligten Ärzten 2,5 Prozent des Apotheken-Verkaufspreises pro Medikament als Belohnung zahlt. "Das kann man nicht jedem Arzt anbieten", erklärt ein Pharmareferent von Ratiopharm gegenüber dem stern, "man braucht schon ein Gespür dafür, ob der Arzt auf so was anspringt." Bei Ärzten, die mitmachen, laufe die Praxis folgendermaßen, schildert der Mitarbeiter:
"Am Ende des Quartals gehe ich zu dem Doktor und hole eine Diskette ab oder einen Computerausdruck, auf dem steht, welche Medikamente er im vergangenen Quartal verschrieben hat. Diese Unterlagen schicke ich dann zu Doc-Expert nach Bamberg, die daraufhin eine Auswertung zurückschicken, auf der steht, für welche Summe der Arzt in den vergangenen drei Monaten Ratiopharm verschrieben hat. Man sieht auch, wie viel Medikamente er von anderen Firmen wie Stada, Hexal oder Pfizer verordnet hat. Wenn er im letzten Quartal zum Beispiel fÜr 10.000 Euro Ratiopharm-Präparate verschrieben hat, schicke ich eine Scheckanforderung über 250 Euro nach Ulm. Den Verrechnungsscheck bringe ich dann persönlich beim Doktor vorbei."
Als offizieller Verwendungszweck steht auf den Schecks meist "Referentenhonorar". Firmeninterne Dokumente, die dem stern vorliegen, zeigen, dass solche Schecks an Ärzte eine seit 1997 geübte Praxis bei Ratiopharm sind. Im November 2003 haben die Zahlungen aber einen solchen Umfang erreicht, dass den Ratiopharm-Managern in Ulm offenbar der Überblick abhanden gekommen ist. In einer E-Mail werden daraufhin alle Außendienstleiter in Deutschland angeschrieben:
"Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, für statistische Zwecke benötigen wir folgende Angaben zu V.O.M.-ratiopharm: Mit welchem Arzt wurde eine Vereinbarung getroffen? Welcher Art? Seit wann? Höhe der Vereinbarung? Bitte setzen Sie sich mit Ihren Mitarbeitern in Verbindung und teilen uns dann die entsprechenden Angaben mit. Vielen Dank! Freundliche Grüße, Leitung Praxisaußendienst."
Als eine Pharmareferentin berichtet, dass sie an ihre Ärzte sechs Prozent zahlt, ist die Leiterin des Praxisaußendienstes lediglich über die Höhe der Zahlung empört und stellt die gängige Praxis klar:
"Hallo Frau N., wie bekannt gibt es bei V.O.M. 5 Prozent auf HAP (Hersteller-Abgabepreis, d. Red.) und 2,5 Prozent auf AVP (Apothekenverkaufspreis, d. Red.) und dies auch nur in Absprachen. Sie werden verstehen, dass wir nicht ohne Ende solche Summen außerhalb des Budgets zahlen können."
Als die E-Mails der anderen Außendienstler in Ulm eintrudeln, wird klar, welches Ausmaß die Ärztebetreuung mittlerweile angenommen hat: So meldet ein einziger Regionalleiter 25 Ärzte aus seinem Gebiet, die V.O.M.-Schecks bekommen. Bundesweit erhalten, so schätzen Ratiopharm-Mitarbeiter, zwischen 500 und 1000 Ärzte regelmäßig Schecks des Pharmakonzerns für willfähriges Verschreibungsverhalten, also etwa ein Prozent aller niedergelassenen Ärzte. Wie anspruchsvoll manche von ihnen sind, zeigt die E-Mail einer anderen Pharmareferentin an die Zentrale in Ulm:
"Dr. W. legt keinen Wert auf den Besuch von Firmen, die ihn nicht für seine ?Verordnungen bezahlen?. Er wünscht quartalsweise Zahlungen ohne Kontrolle der Verordnungen wie z. B. durch V.O.M. Lediglich Werbegeschenke und Servicemuster können bei den Damen abgegeben werden. Herzliche Grüße."
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Andere Aussendienstler berichten, wie motivierend Schecks für Ärzte sind, die bisher wenige Ratiopharm-Präparate verschrieben haben:
"Einige Ärzte haben mir dann ganz klar zu verstehen gegeben, dass, wenn ich ihnen etwas Gutes tue, in Form von Schecks, dann würden sie auch wieder Ratiopharm verordnen. Mal sehn, was sich da machen lässt. Ansonsten habe ich die ersten Geschenke für die Ärzte schon gekauft und verteilt, CD?s, Kerzenständer, Gutscheine Douglas etc."
Am 8. April dieses Jahres schreibt die Ratiopharm-Geschäftsführerin Dagmar Siebert folgende E-Mail an ihre Außendienstmitarbeiter:
"Liebe ratiopharmer, wir haben heute die wichtigsten Eckpunkte für unser Umsatzziel der nächsten 3 Monate (190 Mio. Euro) fixiert. Mit V.O.M.-ratiopharm haben Sie ein wichtiges, attraktives Instrument zur Verfügung, um dem Arzt sein Verordnungsverhalten aufzuzeigen. Sprechen Sie mit Ihren Regionalleitern, wie dieses Instrument in Mehrumsatz umzusetzen ist. Diese haben die Detaillösung. Nähere Informationen auf Ihren Tagungen. Setzen Sie alle Möglichkeiten/Budgets ein, um Mehrumsatz zu generieren!! Viel Erfolg! Es grüßen Sie herzlichst Dagmar Siebert mit Team."
Vom stern mit der Praxis der V.O.M.-Schecks konfrontiert, verweigert Ratiopharm eine konkrete Antwort. Nur so viel räumt die Firma ein: "V.O.M. ist ein betriebswirtschaftliches Analyseinstrument. V.O.M. unterstützt die Ärzte bei einer wirtschaftlichen Praxisführung analog der von den Krankenkassen durchgeführten Analysen und weist auf die Einsparpotentiale bei den Verordnungen hin. Zu diesem Zweck wertet der Arzt seine Verschreibungspraxis aus. Dies erfolgt anonymisiert. Eine Vergütung an die Ärzte erfolgt hierfür nicht."
Geschäftsführerin Dagmar Siebert fühlt sich in besonderer Weise für die Motivation der Außendienstler zuständig. Auf einer Versammlung von rund 150 Pharmareferenten am 29. September 2005 im Berliner Hotel Maritim wandelt sie mit umgehängtem Mikrofon und offenem Wildledermantel zwischen den Stuhlreihen umher, ruft einzelne Mitarbeiter persönlich auf und beschwört den neuen Geist, der in der Ratiopharm-Zentrale herrsche. "Wir leben in einem Change-House, wie wir das im Führungsteam nennen", erklärt Siebert. "Da reagiert man manchmal mit Angst, Chaos und Verwirrung. Wichtig ist nur, dass du weißt, wo du dich befindest."
Dann fährt sie begeistert fort: "Im Change-House gibt es einen Raum der Selbstzufriedenheit, einen Raum der Ablehnung, von da aus geht?s in den Keller der Ablehnung, danach folgt der Raum der Verwirrung und schließlich der Raum der Erneuerung." Weil die Pharmareferenten noch etwas stutzen, fügt sie hinzu: "Das kann man auf alles, was man macht, Übertragen."
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Ratiopharm ist nicht die einzige Firma, die Ärzten Geld angeboten hat, damit diese bestimmte Medikamente verschreiben. Auch die Generikafirma Sandoz hat Ärzten eine prozentuale "Provision" auf den "berechneten Umsatzzuwachs im Vertragsgebiet" angeboten, wie die Fachzeitschrift "Arznei-Telegramm" berichtet. Auf Anfrage hat Sandoz dem stern mitgeteilt, dass man "die Verträge mit den Arztnetzen im gegenseitigen Einvernehmen" ausgesetzt habe.
Die Selbstverständlichkeit, mit der manche Ärzte Belohnungen von der Pharmaindustrie einstecken, ist schon erstaunlich, weil das nach der "Musterberufsordnung für die deutschen Ärztinnen und Ärzte", die auf dem Deutschen Ärztetag 1997 in Eisenach beschlossen wurde, eindeutig verboten ist. Dort steht:
"§ 34 Dem Arzt ist es nicht gestattet, für die Verordnung von Arzneimitteln eine Vergütung für sich zu fordern, sich versprechen zu lassen oder anzunehmen."
Die Musterberufsordnung für Ärzte ist eine Selbstverpflichtung, kein Gesetz. Wer dagegen verstößt, kommt also nicht vor Gericht, ihm kann allerdings seine Zulassung als Arzt entzogen werden.
Auch im Kodex des Vereins "Freiwillige Selbstkontrolle der Arzneimittelindustrie" verpflichten sich die forschenden Pharmakonzerne dazu:
"§ 3,1 Die Ärzte dürfen in ihren Therapie-, Verordnungs- und Beschaffungsentscheidungen nicht in unlauterer Weise beeinflusst werden.
§ 4,6 Es ist unzulässig, Ärzten für die Verordnung und die Anwendung eines Arzneimittels oder die Empfehlung eines Arzneimittels gegenÜber dem Patienten ein Entgelt oder einen sonstigen geldwerten Vorteil anzubieten, zu gewähren oder zu versprechen."
Verstöße gegen den Kodex der Pharmaindustrie werden intern geregelt, im schlimmsten Fall mit Geldbußen. Generikafirmen haben sich diesem Kodex aber weder angeschlossen noch einen eigenen entwickelt. Auf Kreuzfahrten für Ärzte oder Kongresse in attraktiver Umgebung angesprochen, antwortet Ratiopharm-Geschäftsführer Claudio Albrecht im November 2004 in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Das können wir uns überhaupt nicht leisten. Weder die Kreuzfahrt noch den Skiurlaub. Dafür fehlen einem Generikahersteller schlicht die Mittel."
Ein paar "Mittel", um Ärzten Gutes zu tun, scheint Ratiopharm aber dennoch zu haben. 2004 brachte Ratiopharm den Cholesterin-Senker Pravastatin auf den Markt und entwickelte dazu ein Gutschein-Programm für Ärzte. Als Motto steht über dem firmeninternen Papier: "Gezielter Mitteleinsatz und selektive Vorgehensweise durch Vereinbarungen und daran geknüpfte Incentives (engl. Anreize, d. Red.) für den Arzt."
Darunter sind die Voraussetzungen genau geregelt: Wer als Arzt fünf Patienten auf das neue Medikament Pravastatin einstellt, bekommt einen Gutschein über 50 Euro, zehn Patienten bringen 100 Euro, 15 Patienten 200 Euro. Die Gutscheine können etwa bei Karstadt, Mediamarkt und TUI eingelöst werden, informiert der Leiter des Ratiopharm-Produktmanagements die Außendienstmitarbeiter per E-Mail und ergänzt: "Arzt muss Gutscheine nicht versteuern!" Auf Anfrage behauptet Ratiopharm: "Das Marketingprogramm" für Pravastatin sei nur "über eine kurze Zeitspanne gelaufen". Bei den Ärzten kommt die Aktion unterschiedlich an. Eine Pharmareferentin berichtet ihrem Chef: "Ich konnte in fast jeder Praxis eine Umstellungszusage bekommen." Eine andere schreibt: "Bis jetzt konnte sich noch keiner der Ärzte für dieses Konzept begeistern, sie möchten lieber alle bar-cash ..."
Zum gesamten Artikel geht es dann hier:
www.stern.de/wissenschaft/medizin/567258.html?nv=ct_cb
Das ganze ist durchaus lesenswert und beleuchtet einen riesengroßen Betrug am Kunden durch Manipulation
Hier noch eine sehr wichtige Aussage dazu aus dem Artikel:
Ein Aufsatz in der "Neuen Zeitschrift für Strafrecht" vom März 2005 vertritt dagegen die Ansicht, dass "ein niedergelassener Kassenarzt als Beauftragter der jeweiligen Krankenkasse" sich strafbar mache, "wenn er einen Vorteil als Gegenleistung dafür annimmt, dass er seinen Kassenpatienten bestimmte Medikamente verordnet". Der Autor Oliver Pragal nennt das "Beauftragtenbestechung nach § 299 StGB".
Pragal schließt mit der für einen Juristen erstaunlich klaren Aussage:
"Die Auswirkungen dieser Erkenntnis auf die Praxis der Strafverfolgung können kaum überschätzt werden. Es ist zu erwarten, dass die erste Anklageerhebung in einem solchen Fall ein mittleres Erdbeben in Teilen der Ärzteschaft, des Berufsstandes der Pharmareferenten und in den Vorstandsetagen der Pharmakonzerne bewirken würde. Angesichts der durch Korruption im Gesundheitswesen verursachten enormen Schäden wäre dies allerdings eine begrüßenswerte Konsequenz."